Freie zionistische Blätter
- Journal
- Freie zionistische Blätter
- Volume
- 1 (1921)
- Issue
- 1 (1.1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 62 (sequence 64)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Arn o ld Zweig •UIHMHMIIMIIIIIflUlllfllllfllllllilllflllllltlllllf IlllfU^ ligmäßige, Aufrufer und Wegweiser zur Menschlichkeit, Zierden der Städte, ihr Leuchten des Exils und Häupter der Verbannung, zu euch, israelitische Literaten, Dichter, Schriftsteller, Philosophen und Intellektuelle. Auch ihr schweigt. Es ist mir wohlbekannt, daß ihr Besseres zu tun habt. Tief in Arbeit versenkt, dem göttlichen Leben hingegeben oder mit dem Ohr auf den Puls der Zeit geneigt, vermögt ihr keineswegs, Kontemplative oder Aktivisten, Gottsucher oder Rebellen, den schwachen Schrei des abgekehlten ukrainischen Judentums zu vernehmen. Es schreit ja nicht der Mensch: nur der Jude. Und eure Mission geschieht nun einmal an Europa: mit weniger gebt ihr euch nicht ab. Zudem ist es unfein, sich von Tagesfragen erregt zu zeigen. Und im übrigen seid ihr deutsche Dichter, die mit Jüdischem weniger zu tun haben als Nichtjuden wie Meyrink, Ulitz oder Johannes R. Becher, der ein hinreißendes Gedicht „Zion" (im ersten Hefte des „Genius") auf lange hin unvergänglich aufgerichtet; weniger als jener verstorbene Dehmel, dem der Beilisprozeß 1913 so unerträglich auf der Brust lag, daß er schreien mußte. Nun, die Zeit hat sich verändert; und ihr jedenfalls schweigt mit — ausgenommen, und mit dankbarem Herzen, Maximilian Harden und Manfred Georg, dem die allezeit tapfre „Weltbühne" Jacobsohns Raum gab. Ich gedenke nicht, eure Gründe alle auf typische Formeln zu bringen; nicht auch, euren Gefühlen analystisch nachzugehn. Auch die Scham der Ohnmacht ist dabei, ich weiß es wohl. Ihr findet gelegentlich, daß Worte allzu gebrechlich sind, um helfen zu können. Das ist aber nicht wahrheitsgemäß, denn heute, 1920, hören auch die ent- 62