Freie zionistische Blätter
- Journal
- Freie zionistische Blätter
- Volume
- 1 (1921)
- Issue
- 1 (1.1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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Ja ko b Klatzkin Nitnimiiimiiitininimiiimiiiiiiiiniiiiiiiiiiitiiiu noch, welch eine Jubelstimmung, welch eine lärmende Freudigkeit, welch geschäftiger Stolz — und heute? Wie hat sich die Spannung plötzlich gelöst. Da man die Widerstände der Praxis, die Hemmungen des Alltags und auch die kleinen Tücken der Diplomatie zu verspüren beginnt, schleichen sich gleich Apathie und Verzagtheit in unsere Reihen ein. Wie stumpf und dickhäutig, wie desinteressiert und träge verhält sich jetzt die Mehrzahl der Zionisten zum Zionismus. Während der Kriegsjahre seelisch aus dem Gleichgewicht gekommen, in einen Zustand der Verzweiflung gesetzt, waren wir leicht zu begeistern und leicht zu entmutigen, waren leicht zum Jauchzen und leicht zur Resignation gebracht. Die Volksseele bedurfte schonender, stärkender, heilender Behandlung; sie wurde aber andauernd zur Freude und zum Jubeln gereizt und mußte schließlich abstumpfen. Wessen Nerven lange Zeit hindurch mit Narkotika in künstliche Erregung versetzt werden, der reagiert nur schwer noch auf natürliche Reize. Wer Jahre hindurch in einer illusionären Jubelstimmung gehalten wird, verliert die Fähigkeit der stillen Freude an sachlichen Erfolgen der Kleinarbeit, verliert den Sinn für den Ernst der Aufgaben und das Sicherheitsgefühl der Werktätigen. „Jüdisches Volk, was aber hast du getan?" Auf diese etwas unbescheidene Frage eines unserer erfolgreichen Diplomaten könnte das jüdische Volk mit der Gegenfrage antworten: „Und wer ist daran schuld, daß der Zionismus zu einer Angelegenheit von Diplomaten herabsank und zusammenschrumpfte? Wer schuld daran, daß der Tatwille des Volkes erschlaffte?" Der Zionismus von heute krankt an einem falschen Glauben. Er ist geistig verarmt, geistig führerlos. Wo die 28