Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- – (sequence 33)
- Language
- German
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— 33 — 7. Juli 1910. Königl. Prov.-Schulkollegium übersendet Ministerial-Rescript betreffs Turnübungen ausserhalb der Turnstunden. 30. November 1910. Königl. Prov.-Schulkollegium übersendet "Verfügung, laut deren kein nicht genehmigter Nebenunterricht in der Höheren Mädchenschule erteilt werden darf. 30. Dezember 1910. Königl. Prov.-Schulkollegium übersendet die neue Dienstinstruktion für Direktoren und Lehrer. III. Chronik der Schule. Das Schuljahr begann am 31. März 19 10 und schliesst am 5. April 1911. Schon bald nach Beginn des neuen Semesters hatten wir einen schweren Verlu3t zu beklagen. Herr Moritz Lewin, der so viele Jahre als Lehrer des'Talmud seine Schüler für das Studium desselben begeistert hatte und ihnen ein treuer Lehrer und Wegweiser gewesen war, musste schon am Schlüsse des vorigen Schuljahres seinen Unterricht aussetzen, und obwohl er mit uns von Woche zu Woche hoffte, dass er sein, ihm so teures Amt wieder versehen könnte, war es ihm nicht beschieden, die Schule wieder zu betreten, ein früher Tod setzte seinem segensreichen Wirken ein für uns zu frühes Ende. Was Herr Lewin seinen Schülern gewesen, kann nur der ermessen, der ihn in den Zeiten seiner Vollkraft gesehen, wie er unermüdlich versuchte, ihnen Lust und Liebe für ein tieferes Eindringen in die Geistesschätze des Talmud einzuflössen und sie mit Begeisterung für die Eeligion der Väter zu erfüllen. Seine Schüler wussten und wissen es auch zu würdigen und werden sein Andenken in Ehren halten, wie seine Kollegen seiner in Treue gedenken werden. Der Unterzeichnete gab an seinem Grabe diesen Gefühlen der Dankbarkeit in Worten der Trauer Ausdruck. Noch eine weitere Trauernachricht erreichte uns. Frau Dr. Lina Marschak- Gottlieb, die im Vorjahre erst ihre Stelle als Lehrerin unserer Schule verlassen hatte und nach dem Heiligen Lande übergesiedelt war, um sich dort zu verheiraten, starb nach kurzer Ehe in Pethach Tikwah, wo ihr Wirken an der Seite ihres Gatten schon reiche Früchte getragen hatte. Von Herrn Dr. Marschak wurde zum dauernden Andenken an die so früh Heimgegangene an unsrer Anstalt eine „Lina Marschak-Gottlieb-Stiftung* ins Leben gerufen, deren Erträgnisse — im Sinne der Entschlafenen, die so sehr am Heiligen Lande gehangen, aber auch das regste Interesse für die Anstalt bewahrt hatte, an der sie ihre Ausbildung genossen und dann selbst gewirkt hatte — zur Ermögiichung von Studienreisen nach Palästina den Lehräften unsrer Schule zur Verfügung gestellt werden sollen. Für uns, die wir ihre Lehrer und später ihre Kollegen gewesen, und für ihre Schülerinnen, die so sehr an ihr hingen, bedurfte es des äusseren Zeichens nicht, ihr Andenken wird auch so bei uns lebendig bleiben. Eine Aenderung in der Zusammensetzung des Lehrkörpers trat durch den Tod des Herrn Lewin zunächst nicht ein. Der Unterzeichnete übernahm einen Teil seines Unterrichts, während in den übrigen Stunden die beiden Prima-Abteilungen combiniert wurden. Erst zum Winter konnte eine definitive Regelung erfolgen, indem Herr Ludwig Müller mit