Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1909
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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daß eben unsere Schrift trotz neuer und neuester Orthographie noch keine völlig phonetisch« ist, daß dies im Französischen noch weniger der Fall ist und dass es damit im Englischen am allerschlimmsten steht. — Man bietet jetzt den Schülern in der Schrift etwas Neues und halt so ihr Interesse rege. Sie müssen die Wörter und ihre Verbindungen wiederholt abschreiben, und schneller als der Außenstehende es vermutet, lernen sie, die Laute in der von der Academie und den Sprachmeistern festgelegten Form schriftlich wiedergeben. Ja, ich behaupte — ein Punkt, in dem viele Fachgenossen, denen alles Neue Unbehagen bereitet, freilich anderer Meinung sind —, selbst wenn man die Lautschrift anwendet und die Kinder phonetische Uebungen machen läßt, wie ich es tat, als ich die Sexta zum ersten Male im Französischen übernahm, vollzieht sich der Uebergang zur gewöhnlichen Schrift ganz glatt und ist nicht von den geringsten üblen Folgen begleitet. Daß Fehler, sogar viele, in der ersten Zeit sich einstellen, wer wollte das leugnen? Aber stand es früher damit besser? Waren früher unsere kleinen Franzosen und Engländer sofort tüchtige Orthographen? Zur Beruhigung ängstlicher Eltern füge ich hinzu, daß wir uns im Anfange nicht so arg viel um die richtige Schreibung kümmern, wenn nur der Laut richtig festgehalten wird. Ob der Junge chaize - chaise, paire - pere, jete - jette und Ähnliches schreibt, schert uns nicht sehr, macht uns gewissermaßen Freude. Ein chette - jette, chambe - jambe ärgert uns mehr. Und wenn wir auch den Rotstift pflichtgemäß walten lassen, bei der Beurteilung spielt die getreue phonetische Wiedergabe des Lautes immer noch die Hauptrolle. — Im Laufe eines Semesters sind die Schwierigkeiten der Orthographie in der Regel überwunden. Das sind im großen, und ganzen die Hauptzüge der Reform, soweit die unteren Klassen, die ersten zwei oder drei Jahre, in Betracht kommen. Schwieriger gestaltet sich die Durchführung der Reform in den späteren Jahren, Schwierigkeiten, die teils in der Sache selbst liegen, andere, die mit der Methode als solcher nichts zu tun haben. Über jene ist man schon fast Herr geworden, und je mehr man fortschreitet, desto geringer dürften sie werden. Zu Anfang hat man nämlich nur mit einzelne» Begriffen, mit kurzen einfachen Erzählungen zu operieren, für die ein Verständnis leicht zu erreichen ist, und der grammatische Stoff beschränkt sich im wesentlichen auf die Formenlehre, des Deutschen kann man füglich fast ganz entraten. Ferner eignet sich wohl der neun- bis zwölfjährige Schüler für diese Übungen, denen immerhin etwas Mechanisches anhaftet, während ältere ihnen nicht mehr so willig folgen würden. In nenester Zeit sind zwar einige sehr gute Schriften erschienen, die zeigen, wie man dasselbe Verfahren mutatis mutandis auch in den mittleren und oberen Klassen durchführen kann, und in den Versammlungen der Neuphilologen, namentlich der Wiener, ist dieser Punkt erörtert worden. Aber von einer Klärung ist eigentlich nocli keine Rede. Es stehen sich hier zwei Ansichten diametral gegenüber. Die einen meinen, ohne Übertragung -des fremden Textes ins Deutsche, ohne Übersetzung des Deutschen in die fremde Sprache, ohne spezielle grammatische Unterweisungen, die in der Muttersprache stattzufinden hätten, sei keine gründliche Sprachkennntnis zu erwerben. Die andern, die strengsten Reformer, halten die erste Forderung für geradezu schädlich — daher auch die Reformausgaben der Texte mit Anmerkungen in der fremden Sprache und einem Glossar d. h. einem WÖrterbuehe, das die selteneren Wörter durch bekanntere in derselben Sprache wiedergiebt —, die zweit» für höchst zwecklos, also überflüssig und wollen die Grammatik auch im fremden Idiom