Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1908
- Date
- 1908-01-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
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III. Chronik der Schule. Das Schuljahr begann am 9. April 1907 und schliesst am 7, April 1908. — Die Sommerferien dauerten, weil bauliche Veränderungen am Schulhause notwendig waren, in diesem Jahre vom 4. Juli bis zum 12* August. Der Hitze wegen fiel der Unterricht 8mal aus; im Winter wurden 3mal Eisferien gegeben. — Die Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers wurde in herkömmlicher Weise durch Declamation patriotischer Gedichte und den Vortrag ebensolcher Lieder begangen; die Festrede hielt Herr Oberlehrer Dr. Guggenheim, s. A. — Das von Sr. Majestät für einen besonders pflichttreuen Schuler als Prämie übersandte Buch wurde dem Secundaner Simon Posen zugesprochen. Am 0. Juli wurde Herrn Oberlehrer Dr. Caro der Charakter als Professor verliehen, und einige Wochen darauf wurde ihm der Rang der Räte 4. Klasse beigelegt. Am Schluss des Jahres tritt Herr Israel Rosenthaler aus Gesundheitsrücksichten in den Ruhestand. — Es ist uns ein tiefes Bedauern, den Freund und Collegen, der so vieles für die Elitwickelung unserer Schule geleistet, und dessen Namen mit der Anstalt durch seine derselben gewidmete, mit feinem pädagogischen Takte ausgearbeitete, hebräische Lesefibel verknüpft ist, aus unserem Kreise scheiden zu sehen. Wir hoffen, dass seine Gesundheit sich bald so gekräftigt hat, dass wir ihn in alter Frische bei rüstiger Arbeit zu wissen die Freude haben. Der Gesundheitszustand der Schüler und Schülerinnen war leider kein befriedigender. Influenza, Wasserblattern und Scharlach herrschten Wochen hindurch in vielen Klassen, sodass zeitweise fast die Hälfte der Schüler und Schülerinnen in einzelnen Klassen dem Unterricht fern bleiben mussten. — Auch innerhalb des Lehrercollegiums kamen mehrfache Erkrankungen vor, sodass der Unterrichtsbetrieb häufig nur mit grosser Mühe in rechter Weise aufrecht erhalten werden konnte. Hilfskräfte waren nur schwer, zeitweilig überhaupt nicht, disponibel, und es bedurfte der ganzen Hingebung des Collegiums, um die fehlenden Herren uud Damen zu % vertreten. Leider haben wir auch schwerer Verluste zu gedenken, die wir erlitten* Am Chanukah wurde uns unsere liebe Schülerin Lilly Adler nach langmonatlichem, schwerem, mit engelhafter Geduld getragenem Leiden entrissen, und schon kurze Zeit darauf standen wir wieder trauernd an dem Grabe eines herzigen Knaben, unseres lieben, Fritz Caro. Beiden werden ihre Lehrer ein treues Andenken bewahren, denn beide hatten es verstanden, die Liebe aller zu erwerben. Freundlich und zuvorkommend, pflichttreu und gewissenhaft, hatten sie in ihren jungen Jahren schon die schönsten, leider jäh zu nichte gemachten Hoffnungen erweckt» War es dem Unterzeichneten der Chanukah-Tage wegen versagt, an dem Grabe der kleinen Lilly den Gefühlen der Trauer, des Schmerzes und des Mitgefühls Ausdruck zu geben, die ihn und sein Collegium erfüllten, so gedachte er ihrer wenigstens, als er so kurze Zeit darauf schon versuchen musste, ein Bild des pflichttreuen Schülers, des geliebten Kameraden, des frommen, jüdischen Knaben zu zeichnen, der mit dem Heimgang unseres Fritz Caro unserem Kreise entrissen wurde, und dessen Tod uns alle den Schmerz der so schwer betroffenen Eltern mitempfinden liess.