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Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main · 1905-01-01 · 1905 · page 2

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Journal
Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
Volume
1905
Date
1905-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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IRI
…/2580773-2580836--1673-2582515
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Schulnachriehten. Das Schuljahr, das am 11. April 1904 begann und mit dem 11. April d. J. endet, brachte die Erfüllung eines längst von vielen Seiten gehegten Wunsches nach Eröffnung einer Fortbildungsklasse für die aus der I. mit dem Zeugnis der Reife abgehenden Schüler. Das Bedürfnis für eine solche Einrichtung hat sich in dreifacher Weise bemerkbar gemacht. Es lässt sich nun doch einmal nicht in Abrede stellen, dass die weitaus meisten Abiturienten einer Nichtvollanstalt, da sie gewöhnlich erst im Alter von 15—16 Jahren stehen, noch keine genügende geistige Reife besitzen, um sich nach dem Verlassen der Schule aus eigenem Antriebe und unter eigener Verantwortung erfolgreich weiterzubilden. Bei den sonstigen anstrengenden Anforderungen, die gerade in der Lehrlingszeit an die jungen Leute gestellt werden, ist eben eine gereiftere Auffassung von den Aufgaben eines Menschen und ein besseres Verständnis für die zum Erwerb einer wahrhaften Bildung nur vorbereitende Bedeutung des auf der Schule Erlernten, als man sie von so jungen Menschen im allgemeinen erwarten darf, notwendig, wenn ihr Fortbildungsstreben späterhin nicht nur von rein praktischen, sondern auch von idealen Motiven geleitet werden soll. Dazu kommt, dass das Berufsleben an die Kenntnisse und an das Verständnis der jungen Kaufleute selbst so manche Ansprüche stellt, die von der Schule nicht befriedigt werden können, und dass infolgedessen oft eine Fachausbildung bei ihnen vermisst wird, die von der Schule als einer allgemeinen Bildungsanstalt ihren Abiturienten nicht mitgegeben werden kann. Diesem doppelten Bedürfnis suchen zwar die Handelslehranstalten in ihren für fortgesehnt« tene Zöglinge eingerichteten Lehrgängen abzuhelfen, aber für uns gerade war es noch ein dritter Punkt, der mitsprach und uns verhinderte, uns mit diesen segensreich wirkenden Anstalten zufrieden zu geben, der vielmehr eine an unsere Schule sich anreihende Fortbildungsklasse als eine erstrebenswerte Einrichtung erscheinen liess. Es ist das der Punkt der religiösen Fortbildung, wenn der Ausdruck gestattet ist. Für den Nichteingeweihten mag die Anzahl der schon auf der Schule erteilten Unterrichtsstunden in hebräischen, religiösen Disciplinen als eine verhätnismässig grosse erscheinen, wer aber begreift, was es für das gesetzestreue Judentum bedeutet, dass ein jeder Mann bis an die Quellen der Ueberlieferung vorzudringen imstande ist, und wer weiss, wie wichtig es ist, dass möglichst jeder selbständig in ihren Schriften zu forschen versteht, der weiss auch, dass es nur das. Aller notwendigste sein kann, was die Schule bei dieser Stundenzahl zu lehren vermag^ dass die dort erworbenen Kenntnisse einer Erweiterung und Vertiefung bedürfen, damit ein spontanes Lernbedürfnis bei der Jugend erweckt werde, und damit die im Leben stehenden Männer diesen Trieb zum Forschen und die Freude am Lernen später auch, in gewissem Masse wenigstens, durch Selbststudium befriedigen können. Die Erkenntnis dieses dreifachen dringenden Bedürfnisses hat uns kein Opfer scheuen lassen, und so wurde die Fortbildungsklasse ins Leben gerufen, die ihren Lehrplan auf den drei genannten Zielen entsprechend eingerichtet hat. Es soll eine gewisse Freiheit, die für die spätere Lebenszeit vorbereiten kann, auch in der Auswahl der Unterrichtsgegenstände herrschen, nur wenige Disciplinen sind daher obligatorisch, und es ist natürlich eine der wichtigsten Aufgaben des Direktors für diese Klasse, durch seinen Rat und seine Belehrung den einzelnen Schüler auf die richtigen Bahnen hinzuweisen. Ueber die Einzelheiten des Lehrplans gibt die S. 17 und 18 dieses Berichts mitgeteilte Uebersicht Auskunft, und es sei an dieser Stelle nur darauf hingewiesen, dass sich zwar, wie zu erwarten war, die Einrichtung noch in manchen Punkten verbesserungsbedürftig zeigte, dass aber im grossen und ganzen die erreichten Resultate vollauf befriedigen können.

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