Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- – (sequence 181)
- Language
- German
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23 Nochmals aber müssen wir unseren Blick rückwärts wenden, um zu berichten, wo denn die versprochene Hilfe Blüchers oder Schwarzenbergs geblieben war. Blücher war, wie wir wissen, dem Feinde auf den Fersen geblieben, so dass er meist des Nachmittags das am Morgen von Napoleon verlassene Quartier bezogen hatte. Da erhielt er plötzlich die Nachricht von Schwarzenberg, dass Napoleon wahrscheinlich über Hersfeld-Alsfeld auf Wetzlar ziehen werde, um bei Koblenz oder Bonn den Rhein zu überschreiten» Woher Schwarzenberg diese Vermutung gekommen, erfahren wir nirgends. So zog Blücher auf Anordnung des Oberkommandos auf Giessen zu, und der Rücken Napoleons war frei. Seinen Platz nahm freilich die östreichische Armee ein, deren Vorhut der Feldmarschalllieutenant Bubna führte. Jetzt hatte man ja wohl durch die fortlaufend einkommenden Nachrichten erfahren, dass man nicht, wie noch in Erfurt, dieses fast aufgelöste Heer zu fürchten brauchte. Namentlich nicht, wenn man sich mit der Verfolgung nicht übereilte. Erst am 1. November befand sich Bubna in Schlüchtern, wo er die Nachricht empfing, dass Wrede sich seit dem 30. Oktober mit Napoleon schlage. Nun rückte er mit der Kavallerie noch bis Salmünster, mit der Infanterie bis Steinau vor. So war Napoleon entronnen durch W rede's Ungeschicklichkeit und Eigenmächtigkeit und durch Schwarzenbergs Vermutung oder wie Blücher es nennt, „Versehen". Niemand war begreiflicherweise so erzürnt, wie dieser über das Entkommen Napoleons. Hören wir ihn selbst darüber:63) „Es hat ein grosses versehen Stadt gefunden, sonst wehre der grosse Napoleon mit dem Rest seiner ungeheuren armeeh vernichtet worden, bey Hanau hat er sich durchme trompe tres fort, on est franchement et sincerement dispose ä donner au Roi notre souverain l'influence decisive sur les Etats du Midi de l'Allemagne". An den König 4. November: „II serait tres fort contre les interets futurs de Votre Majeste si les Princes du midi de rAllemagne ne devaient pas 4reconna?tre la politique de la Baviere pour la leur". Heilmann S. 300 ff. Wohl konnte somit Wrede von seinen Königen geehrt werden; König Ludwig hat ihm sogar einen schwungvollen poetischen Nachruf gewidmet: „Wie hinab sich auch die Jahre winden" us. w. Vergl. auch Treitschke S. 516: „Im Frankfurter Hauptquartier feierte man den Baiern Wrede, von wegen der Hanauer Niederlage, wie einen ruhmgekrönten Feldherrn11. 63) Der Brief ist angeführt nach Oncken „Zeitalter der Befreiungskriege" Berlin 1866 Band II, S. 712. V