Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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- 13 - den. So etwa glauben wir des Heimgegangenen Auffassung vom Geiste unserer prophetischen Litteratur kennzeichnen zu dürfen. Und er hat aus diesen seinen religiös-theoretischen, vielleicht dürften wir auch sagen, religions-phiiosophischen Überzeugungen die praktischen Schlussfolgerungen in seiner eigenen Stellungnahme zu den unsere Gegenwart beherrschenden Tagesfragen auf verschiedenen Gebieten 'der höheren Interessen gezogen. Er verfolgte mit eindringendem Verständnis das Geistesleben der Gegenwart, denn er war ein durch und durch moderner Mensch. Er war kein eifernder Dunkelmann, kein weltflüchtiger Feind der Lebensfreuden. Seine religiöse Überzeugung bot ihm wohl auch eine Anzahl von wichtigen rein theoretischen Wahrheiten. Jn erster Reihe aber war ihm das Gotteswort ein regulatives Lebensprincip, ein allezeit gültiger sittlicher Wertmesser. Die Ideale des Menschentums, die man so gern und mit einem gewissen Eechte als köstlichste Errungenschaft des modernen, von allen bevormundenden Fesseln befreiten Denkens der letzten beiden Jahrhunderte ansieht und als die reifste und erquickendste Frucht des neuen Humanismus preist, diese Ideale sind dem alten jüdischen Schrifttum© und — den alten Juden schon längst geläufig gewesen und von ihnen in die Welt der Wirklichkeit umgesetzt worden. Dem Nachweise dieser Sätze gilt des Verstorbenen gedankenvolles Schriftchen: .,Das reine Menschentum im Lichte des Judentums". In der biblischen und talmudischen Litteratur wird das Verhältnis von Mensch zu Mensch, des Reichen zum Armen, des Arbeitgebers zum Lohnarbeiter, der Gesamtheit zum einzelnen, namentlich zum wirtschaftlich Schwachen bis in die Einzelheiten genau und in vorbilde lieh humanem Sinne geregelt Der gesetzestrene und schriftkundige Jude braucht nur in seine heilige Litteratur sich zu vertiefen, in den „Quell der lebendigen Gewässer" unterzutauchen, um der letzten Strömungen inne zu werden, aus welchen die unsere Zeit ehrenden humanen und socialen Lehren und Veranstaltungen geflossen sind. Aber gewissen traurigen, wahrlich nicht humanen Zeiterscheinungen gegenüber sollten wir Juden unserer Meinung nach uns mit jenem Selbstbewusstsein erfüllen, wel* ches unleugbare geschichtliche Verdienste uns einflössen dürfen. Alle Welt gesteht uns zu, dass wir der Menschheit den Gott geschenkt haben. Wir aber wollen uns einen zweiten Rechtstitel auf die Dankbarkeit der Völker nicht rauben und nicht verkümmern lassen, sondern mit freudigem Stolze laut verkünden: Wir Juden haben den gequälten Völkern der Erde die fröhliche und menschenbeglückende Botschaft gebracht: Du sollst lieben deinen Nächsten wie dich selbst."16) Wir können es uns nicht versagen, hier noch eines Buches des Heimgegangenen Erwähnung zu thun, in welchem dieser uns wertvolle Aufschlüsse über die Geschichte unserer Gemeinde wie unserer Schulen bietet. In der Schrift „Samson Raphael Hirsch und die Israelitische Religionsgesellschaft" beleuchtet er die Geschichte der Begründung unserer Gemeinde. Er schildert darin mit genauer Sachkenntnis und in fesselnder Darstellung im einzelnen die inneren Schwierigkeiten und die äussere Ungunst, ja Feind-. Seligkeit, mit welchen die junge jüdische Gemeindepflanzung zu kämpfen hatte. Aber ihr iß) Drittes Buch Mosis cap. XIX, IS.