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Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main · 1901-01-01 · 1901 · page 9

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Journal
Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
Volume
1901
Date
1901-01-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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IRI
…/2580773-2580828--1255-2582092
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- 10 — haben in ihrer praktischen pädagogischen und didaktischen Ausbildung1 und Weiterbildung ihm wertvolle Anregung und Belehrung zu verdanken. Denn er hatte, ohne sich viel in theoretische Erörterungen einzulassen, einen klugen und geschulten Blick für das Gelungene wie für das Verfehlte. So manche der Kollegen hat er auch auf ihrem Lebenswege wirksam gefördert und sich zu dauerndem Danke verpflichtet, nicht wenige von diesen sind ihm auch persönlich näher getreten und haben zu ihm und seiner Familie ein inniges und vertrautes Freundschaftsverhältnis gewonnen. Auch das müssen wir in diesem Zusammenhang ihm nachrühmen, dass er stets vor der pädagogischen Individualität seiner Lehrer eine hohe Achtung bekundet hat. Er war kein pädagogischer Doktrinär und auf keine Richtung ausschliesslich eingeschworen. Er wusste, dass es in pädagogischen, besonders aber auch in didaktischen Dingen nur in seltenen Fällen alleinseligmachende Wahrheiten gebe, und dass man auch nach verschiedenen Methoden zu dem gewünschten Ziele gelangen könne. Das Ziel selbst freilich, das Gesamtziel für unsere Thätigkeit, das musste klar und unverrückbar dastehen, und das ging dem Heimgegangenen nie verloren. Dieses Gesamtziel lässt sich auf. eine ewig gültige Formel bringen, es war und ist und muss immer bleiben: die vielseitige Ertüchtigung unserer jüdischen Jugend für die vielgestaltigen Aufgaben des Lebens: für die unverbrüchliche sittliche und religiöse Lebensregelung, für die bürgerlichen Pflichten und für das Berufsleben. Wir alle haben, ein jeder auf seiner ^Stelle, Stein auf Stein zu fügen, um in der Schule ein sicheres Fundament für die künftigen Charaktere und Persönlichkeiten zu legen Für diese Fundamentierung der künftigen jüdischen Persönlichkeiten aber hatte sich der Verstorbene seit einer Reibe von Jahren in den oberen Klassen der Realschule wie der Höheren Mädchenschule den Unterricht in den unmittelbar religiös einwirkenden Fächern vorbehalten. Sein Unterrichtsfach bildeten in diesen Jahren die Propheten, und die Vertiefung in sie wurde, wie er selbst es ausdrückte, „für die Berichtigung und Bereicherung der Welt- und Lebensanschauung verwertet." Stets lehrte er und wies er aus der Fülle seiner Kenntnis des biblischen und nachbiblischen jüdischen Schrifttums nach, dass die jüdische Weltanschauung zugleich auch die höchste sittliche Weltanschauung sei, dass der Jude, welcher den Lehren des von wenigen gekannten, von vielen aber genannten und verleumdeten Talmuds wirklich nachlebe, ein geradezu vorbildlicher Mensch werden müsse, und dass unser herabgeerbtes Judentum sich von keinem Bekenntnis der Erde übertreffen lasse in den Forderungen der Menschenliebe und sozialen Fürsorge für die Armen und Bedrängten und in ihren Menschenrechten Gekränkten, für die „Enterbten der Gesellschaft," wie man sich heute auszudrücken pflegt. Und er brauchte wahrlich nicht weit zu suchen, um Beweisstücke für jene unseren Talmud rettenden Sätze zu gewinnen, „Alle Satzungen und Verpflichtungen des Gottesgesetzes," heisst es in einem uralten Kommentar9) zum ersten Buche des Pentateuch, „seien nur gegeben, um die Geschöpfe durch ihre Beobachtung zu läutern," zu läutern nämlicli ihre Gotteserkenntnis und ihr sittliches Verhalten von Mensch zu Mensch. Oder er brauchte blos den Jünglingen uud Jungfrauen aus dem ersten systematischen talmudischen Gesetzescodex des Mittelalters einen Satz vorzuführen, der die Pflicht der Menschenliebe sozusagen zu einem Paragraphen des Gesetzbuches machte, den Satz:10) „Keine herrlichere Wonne giebt es auf Erden, als zu erfreuen das Herz der Armen und Waisen und Witwen und Fremdlinge, denn so waltet 8) Bereschitk Eabbah cap. 44. 10) Maimonides, Jad Hachasakah I, im Abschnitt über Puriin.

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