Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1886
- Date
- 1886-01-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
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— 26 — Kaum vierzehn Tage später sollten wir leider wiederum an der Bahre eines teuren Kollegen stehen. Am 16. Juli starb nach vorausgegangener längerer Krankheit Herr Dr. Samuel Speier. Geboren am 7. März 1838 zu Burghaun, war er zwei Jahre an der Talmud-Thora- Schule in Hamburg, später drei Jahre als Oberlehrer der israelitischen Gemeindeschule in Rendsburg, sodann über drei Jahre in Eschwege thätig. Seit Oktober 1873 gehörte er unserer Schule an, der er mit treuer Hingebung diente und deren Zwecke er mit Einsetzung seiner ganzen Kraft zu fordern stets bemüht war. Trotz zunehmender Kränklichkeit entschloß er sich nur schwer dazu, seine Berufsthätigkeit zu unterbrechen, und es bedurfte des wiederholten Zuredens des Unterzeichneten, um ihn zu bestimmen, die ärztlich angeratene Erholung im Bade zu suchen. Leider sollte es nicht von Erfolg sein. Er starb während der Ferien, und so konnten außer dem Schulrate nur die gerade am Platze anwesenden Glieder des Lehrerkollegiums, sowie die Zöglinge des Waisenhauses, denen er stets ein treuer, fürsorgender Vater gewesen war, seiner Bahre folgen. Bei Wiederbeginn des Unterrichts erfüllte die Schule deshalb nur eine Ehrenpflicht, indem sie eine Erinnerungsfeier veranstaltete, bei welcher der Unterzeichnete dem Andenken des heimgegangenen Kollegen jenen Zoll dankbarer Anerkennung darbrachte, auf den sein gewissenhaftes ernstes Streben, seine langjährige Wirksamkeit, sowie seine Anhänglichkeit an die Schule, deren Interessen er mit unwandelbarer Liebe umfaßte und als die eigenen hegte, in vollem Maße Anspruch hat. Die Schule bewahrt beiden heimgegangenen Kollegen ein dauerndes ehrendes Gedächtnis. Ihre Stunden wurden seit ihrer Erkrankung durch die Herren Dr. Feilchenfeld, Bendix und Kösterich versorgt. Der Gesundheitszustand unter den Schülern war im ganzen gottlob ein recht günstiger. Nur in einer Vorschulklasse kamen Fälle von Keuchhusten in größerer Zahl vor. Außerdem hatten wir leider den Tod eines lieben Schülers zu beklagen. Am 3. Januar starb Albert Hirsch, ein braver, zu guten Hoffnungen berechtigender Schüler der ersten Vorschulklasse, im Alter von neun Jahren an einer Lungenentzündung. Was den Gesundheitszustand im Lehrerkollegium betrifft, so mußten wegen Unwohlseins ganz oder teilweise vertreten werden die Herren Wahl an 23 Tagen, Rönnberg an 20, Kaufmann an 10, Japhet und Schmidt an je 9, Dr. Bender an 8, Dr. Schwartze und Baruch an je 6, Thiel an 5, Dr. Portmann, Altmann, Strenger, Löwenthal, Plaut und der Unterzeichnete an je 1, Frl. Grünberg an 23, Frl. Wellhoffan 11, Frau Prestel und Frau Steinhilper an je 8, Frl. Rausch an 3, Frau Bindernagel und Frl. Neumüller an je 2 Tagen. Außerdem waren beurlaubt die Herren Dr. Schwartze an 4, Schmidt und Kaufmann an 3 Tagen. Ferner waren am Unterrichten verhindert die Herren Dr. Sulzbach und Kaufmann wegen Trauerfalls und Wahl wegen Scharlach in der Familie an je 7 Tagen, und der Unterzeichnete wegen dienstlicher Abwesenheit an zusammen 9 Tagen.