Mannheim
Compact Memory

Magazin für die Wissenschaft des Judenthums · 1878-01-01 · 1 (1878) · p. Seite 55

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
Volume
5 (1878)
Issue
1 (1878)
Date
1878-01-01
Page
Seite 55 (sequence 58)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2572068-2572073-2572074--0414-2572560
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

55 Recensionen׳ worden fei, indem bei Widersprüchen zwischen der Mischna und Zosephus ohne Weiteres den Rabbinen jede Glaubwürdigkeit abgesprochen wurde, und wie, trotzdem die Unzuverlässigkeit und die Schwächen des Iosephus in letzterer Zeit vielfach nachgewiesen worden, die talmudische Quelle noch immer nicht in ihr Recht ringesetzt ist. Er beweist dann, daß das absprechende Urtheil über die im Tr. Middot gegebene Tempelbeschreibung vollständig unbegründet ist, daß vielmehr überzeugende Gründe für die Genauigkeit und Zuverlässigkeit der Mischna sprechen. Gegenüber der Ein- Wendung, die Angaben der Mischna seien ״aus einer schwankenden und lückenhaften Erinnerung" niedergeschrieben, wird erinnert, daß der anonyme Referent des Tr. Middot R> Elieser b. Jacob I ist, noch den Tempel selbst gesehen. Wenn man aber auf zwei Stellen in unserem Traktate (2, 5 und 5, 4) hinweist, wo R. Elieser b. I. bekennt, sich der Bestimmung gewisser Kammern nicht erinnern zu können; so muß jeder Unparteiische im Gegentheil dies als Kennzeichen äußerster Wahrhaftigkeit auffassen ״die nur das für authentisch ausgiebt, was ihr außer allem Zweifel ist, jede mangelhafte Sicherheit registrirt, die sich allerdings, aber durchaus nicht zu ihrem Nachtheile, nicht zu jener Kühnheit des Zosephus erheben kann, in dem Gewände sicherster, historischer Treue ungefähre Schätzungen, Muthmaßungen und die wildesten Ungeheuerlichkeiten zu berichten, wie von 462 Säulen, die so dick waren, daß sie nur drei auseinanderstehende Menschen mit dem Ellenbogen umfassen konnten, und die eine Länge von 27 Fuß gehabt hätten" u. dgl. mehr. Noch vieles Andere steht, wie Verf. zeigt, auf Seiten der Rabbinen. Zosephus' Blick war bei jedem Worte, das er schrieb, nach außen, das Auge der Rabbinen nur nach innen gerichtet. Ersterer hatte ein Interesse daran, die jüdischen Angelegenheiten so recht imposant darzustellen, die Rabbinen konnten Alles beim rechten Namen nennen, da sie ja nur zu ihren Angehörigen sprachen und für sie schrieben. Die Rabbinen hatten ferner in ihren Lehrhäusern Muße und Ruhe, ihre Angaben gegenseitig zu prüfen und zu controliren. Sie bewegten sich׳ endlich in religiöser Atmosphäre, in der vollständigste Treue und Genauigkeit vom Ge-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.