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Magazin für die Wissenschaft des Judenthums · 1877-01-01 · 1 (1877) · p. Seite 175

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Journal
Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
Volume
4 (1877)
Issue
1 (1877)
Date
1877-01-01
Page
Seite 175 (sequence 177)
Language
German
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Jehuda Sir Leon. 175 andererseits Jehuda Sir Leon selbst so selten beigelegt, daß sie bei demselben ein ehrendes Epitheton ist, ohne jene characteristische Bedeutung, die sie bei Jehuda aus Speier"") hat, der schon von seinen Zeitgenossen fast ausschließlich so genannt wurde, so daß die Bezeichnung Chassid, die man bereits bei seinen Ahnen in langer Aufeinanderfolge antrifft,28) bei ihm schon mehr ein stehender Beiname geworden ist. Man nannte denselben oft Hachassid ohne Angabe des Vornamens") oder gar den frommen Jehuda Hachassid?") Jehuda Sir Leons Leben fällt in die traurigste Zeit der Juden in Frankreich. War er doch ein Zeit- und Altersgenosse von Philipp August (geb. 1165, gest. 1223), einem der judenfeindlichsten Könige. So lange dessen Vater Ludwig VII. regierte, war die Lage der Juden in ganz Nordfrankreich eine glückliche?") In Paris selbst bestand seit uralter Zeit eine ftarfe27) jüdische Gemeinde, die sich ausgedehnter Privilegien und eines großen Wohlstandes erfreute. Die Juden durften allerdings nur in dem armseligen Stadtviertel nun Champeaun wohnen,") aber sie waren sehr reich und besaßen großen Einfluß. Halb Paris gehörte ihnen/") das heißt war ihnen verpfändet. Auch in der Nähe von Paris hatten sie große Besitzungen, namentlich in Ville-Juif, das größtentheils in ihren Händen war?") Aus dieser friedlichen, behaglichen Stetlung wurden sie unerwartet aufgescheucht. Philipp August bestieg (1180) im unmündigen Alter von fünfzehn Jahren den französischen Thron und inaugurirte seine Negierung mit einem grausamen Acte gegen die Juden. Er ließ dieselben plötzlich an einem Sabbäte, als sie sich gerade in den Synagogen "*) (in der rue de la Juiverie und rue de la Tacherie) befanden, ergreifen und in den Kerker werfen, aus dem sie gegen Erlegung eines beträchtlichen Lösegeldes befreit wurden?") Ein Jahr, nach Anderen zwei Jahre später, vertrieb er sämmtliche Juden aus seinem Gebiete (Isle de France), annullirte ihre Schulden, confiscirte ihr unbewegliches Gut, führte von dem an ihnen begangenen Raube Prachtbauten"") auf, ließ zuerst die Stadt mit Steinen pflastern, an denen der Schweiß der Juden klebte und schenkte ״zum Heile seiner Vorgänger" die Hauptsynagoge von Paris (rue de la Juiverie) 12*

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