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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-09-29 · Heft 39 (29.9.1844) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 39 (29.9.1844)
Date
1844-09-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
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314 und glaubt sich mit der politischen Machtvollkommenheit die jmes ehedem beseßen, ausgerüstet, Glaubenszwang gegen seine Gemeinde auszuüben, so ist er in einem schrecklichm Zrrthum befangen und verdient wegen seiner Unkenntnis der jüdischen Institutionen eben so wenig den Namen eines Gottesgelehrten, als er wegen feines römisch-katholischen hierarchischen Gewissenszwanges auf den Namen eines Seelsorgers Anspruch machen darf." „Die Arbeit" — so schließt der Verfasser seine Mahnung — „die Moses Mendelssohn seinen deutschen Glaubensgenossen als schönes Erbe hinterlassen, hat, wenn auch noch nicht bis zur Vollendung gediehen, doch schon begonnen. Der Grund, den er zu dem Gebäude gelegt, ist aus der Erde herausgcarbeitet; an den sichtbar gewordenen Wänden arbeiten Tausende in rüstiger Thatigkeit. Der Unterschied zwischen mosaischem Recht und mosaischer Religion, zwischen der siegenden Kraft der Wahrheit und des rohen physischen Zwanges, zwischen der Macht der Ueberzeugung und der brutalen Gewalt des Thuns und Laßens, zwischen dem belehrenden Freund und Rathgeber und dem auf seine Autorität pochenden Richter ist in tausend und abertausend Dingen zum factischen Bewußtsein der Juden, wenigstens in Deutschland, gekommen. Und wenn alle diese Unterschiede in ihrer consequentesten Durchführung noch nicht als klares Glaubensbewußtsein die Synagoge durchdringen, wenn noch eine schreckliche Confusion hierin selbst noch in den Religionslehrbüchern der Jugend herrscht, mit einem Worte, wenn das schöne Glaubensgebäude Israels noch immer nicht in seiner Vollendung, gegen Sturm und Wetter von Außen und Innen geschützt, dasteht, daran sind die tragen Arbeiter und die müssigen Zuschauer schuld. Die trägen Arbeiter, das sind die Rabbinen, die Alles sein wollen, nur nicht, was sie sein sollen, nemlich nicht Richter und nicht Hohepriester, nicht Zeloten und nicht Verketzerer, nicht Alterthumsforscher und Unkundige der Gegenwart, nicht Heuchler, Müssiggänger und in Heiligenschein sich hüllende Pharisäer sondern wackere Forscher und Lehrer der Religion und Kenner der Gegenwart und ihrer fühlbarsten Bedürfnisse. Die müssige» Zuschauer, das ist der große Troß herzloser Jndifferentisten. Diejenigen also, welche in ihren Gutachten über die Deschneidung zum Anrufen obrigkeitlicher Hülfe riethen, die zur Durchsetzung ihrer Meinung nach einem vom Standpunkte der Religion in ihrer Entkleidung der faulen theokratischen Gewänder höchst verwerflichen Bündniß mit der Gewalt gelüsten, haben sich selber gerichtet. Sie können von dem Gottlob in Israel erwachten gesunden Sinn, der es, wenn auch noch dunkel, aber dennoch aus dem ganzen Wesen der Religion herausfühlt, daß Gewissensfreiheit und Glaubensfreiheit die unwandelbaren Momente in der Religion sein müssen, nicht bestehen. Das Licht, das seit Mendelssohn in jüdische Kreise hineinleuchtet, laßt eine solche Verfinsterung und Verwirrung der Begriffe nicht mehr zu, und diejenigen, die gegen dieses Licht ankampfen, haben sich selbst aus seinen Raumen verbannt." Diese Worte bedürfen keines weiteren Commentars, sie werden gewis von allen unseren Glaubensbrüdern, deren Geist nicht von dem finstersten Fanatismus umdunkelt ist, begriffen, und beherzigt werden, und dem würdigen Holdheim ein neues Denkmal des Ruhmes und des erleuchteten Eifers für die Sache seiner Brüder setzen! Gott mit ihm und uns! Geschichte des Tages. (Personalzeichnungen aus der Braunschweiger Rabbinea- Versammlung.) (Fortsetzung von Nr. 37.) Zu wiederholtenmalen betrachtete ich mir eine andere interessante Persönlichkeit der Versammlung, den Prediger Salomon. Es ist etwas sehr Bewegliches und doch Zmponirendes in dieser kurzgesetzten Gestalt. Aus dem Auge leuchtet viel Feuer und das Gesicht, nicht frei von einem gewissen falschen Zuge, hat doch viel Ernst und Würde. Salomon sprach viel und immer mit einem gewissen ruhigen Fluß der Rede; seine Stimmung war stets eine ernste, bewegte; und sein Organ durch seine Schärfe und gute nordische Betonung eines der glücklichsten in der Versammlung. Worin er aber sich auszeichnete, das war der treffliche Witz, womit Mutter Natur ihn begabt, und wodurch er öfters die Lachnerven der Versammlung, die sonst gar nicht erregt worden wären, auf das wolthätigste erschütterte. Aber sein Witz, obgleich in der Form veredelt und modernisirt, war doch der Grundlage nach ein jüdischer, anlehnend an die Bonmots der Talmudisten und Rabbinen. Es hätte mich dieses auch gar nicht gestört, würde ich nicht eine solche Anlehnung auch in ernster Weise bemerkt haben, vr. Salomon machte nemlich nicht selten den Talmudisten Komplimente, lobte ihre Aufklärung und glaubte alles Ernstes, man könnte nach und mit ihnen die Reform des

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