Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 38 (18.9.1842)
- Date
- 1842-09-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts. Ei« Wochenblatt für die Kenntniß des israelitischen Lebens, besonders in religiös-kirchlicher Beziehung. Herausgegeben. von »r. M. Heß, Großherzogl. Wcimarsckem Land-Rabbinen;u Stavk-SengZsclV, bei Eisenach. Rr. S8. Souutag, »«»,8. Septrm-er 18«. »1.8«hrgM»S. Motto: Entschieden, fteißnnig, muth-pü und wahr. Die Rabbinatsangetegenheit in Breötau. Dritter Artikel. Die religiöse Frage. Wir halten in Nr. 36 dieser Blätter das Verfahren des Hrn. Tiktin nicht nur. deßhalb einer ausführlichen Kritik unterworfen, weit der Streit zwischen dem letzteren und der Gemeinde - Vertretung, als auf religiösen Grundsätzen beruhend att sich von Interesse ist, sondern es wird dieses noch dadurch erhöht, daß Herr Tiktin, so zu sagen, die pra(tjsche Seite desstamnRabbinismus manifestirt, daß er beweist, wie dieftr durch seinen todten Formalismus, durch seine Zeremonien - Vergötterung und ihre Anhäufung'bis in's Unendliche, das natürliche sittliche .Gefühl, den Sinn für Wahrheit und Recht dergestalt zurückdranaen kann, daß er selbst in eiyem Volkslehrer sich nicht'regt, und ihn nicht abhalt auf so unwürdige Wssse sich vor der Oeffentlichkeit zu zeigen, als er gethan. ' Doch das höchste Interesse, welches der Kampf in Breslau hat, der bleibende Gewinn, welchen die Geschichte des Iudenthums daraus ziehen wird, ist gerade seine scheinbar betrübendste Seite, ist der Punkt der religiösen Verdächtigung und Verketzerung eines hochgeachteten Lehrers in Israel. Wir haben gesehen, daß jenes Interdict gegen den Hamburger Tempel denselben nur in seinem Ansehen gehoben, ihm durch die Billigung seines Ritus abfeiten ber geachtetsten Rübbinen noch mehr Autorität gegeben hat. Doch da war die Frage nur eine gottesdienstliche, und wenn auck höhere Prinzipien dabei in Erwägung kamen, so wurden sie doch zunächst nur auf die rituelle Frage angewendct. Der Streit in Breslau iss aber im eigentlichen Sinne ein prinzipeller. Es-. bändelt sich da um eine Lebensfrage des Judentums selbst, es handelt sich darum, ob dasselbe sich lebenskräftig fortbewegen, ob es eine Geschichte und eine Zukunft haben soll, oder ob es mit den Meinungen und Satzungen der Talmudisten für immer abgeschlossen ist; ob es dazu vcrurtheilt ist, der Wissenschaft und Civilisation Hohn zu sprechen und inmitten von Europa als eine verkümmerte asiatische Pflanzung fortzuwuchern. Die Aeußerungen Tiktins und seiner Freunde sollen daher den Obervorstand der israelitischen Gemeinde in Breslau veranlaßt haben, das Gutachten der wissenschaftlich-gebildeten Rabbinen Deutschlands darüber zu hören. Auch an den Herausgeber dieser Blätter ist eine solche Aufforderung ergangen, und er nimmt bei der hohen Wichtigkeit der Sache keinen Augenblick Anstand, sowol das betreffende Schreiben als seine Aeußerungen hieraus in dm Kreis der Leser des „Israeliten" einzuführen: Das Schreiben lautet wörtlich: „Ew. Hochwürden ist der Streit bekannt, welcher in unserer Gemeinde zum Ausbruche gekommen ist, und es wird Ihnen von vorn herein nicht entgangen sein, daß derselbe, wenn auch, mit eigenthümlich localer Färbung eine allgemeine Bedeutung hat.