Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 2 (1840-1841)
- Issue
- Heft 42 (8.8.1841)
- Date
- 1841-08-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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168 schwert hatte, daß eine jüdische Hebamme dort auch von christlichen Familien gebraucht wurde, mit dem Bemerken abwies, es sei hiergegen durchaus nichts einzuwenden, da im Falle einer Nothtaufe eine bei der Geburt anwesende Christenfrau dieselbe vollziehen könne. Sollte es wahr sein, was uns aus Kurhessen geschrieben wird ‘4! Der Landrabbiner R. in C. habe daselbst eine Art Thalmudschule errichtet, und den Zöglingen derselben untersagt, mit denienigen umzugehen, welche etwas ohne Kopfbedeckung genießen. — Aus dem politischen Rundgemalde von 184«. Man liest in diesem interessanten Schriftchen bei Gelegenheit der Erwähnung der in Syrien gegen die Juden erhobenen Beschuldigung des Blutgenusses: ,/Vergessen dürfen wir nicht, daß unfern christlichen Vorfahren unter den römischen Kaisern derselbe Vorwurf gemacht, dadurch aber dasselbe schreckliche Schicksal bereitet worden ist. — Sie versammelten sich in der Nacht im Stillen an einsamen Orten und erregten so den Verdacht, daß sie wohl Ursache haben möchten, so im Geheimen Gott zu verehren, weil sie sich der ärgsten Grausamkeit dabei schuldig machten, welcher dann schreckliche Ausschweisirugen folgten. Man beschuldigte sie, daß sie ein neugebornes Kind, ganz mit Blumen bedeckt, jedem neuen Bekenner der christlichen Religion darbrächten, damit er ihm das Messer in die Brust stieße, und wenn nun die grausame That begangen sei, tränken die Christen das Blut, rissen die zuckenden Glieder aus einander, und schwören einander ewige Geheimhaltung der That zu. — Nach dem blutigen Opfer folgte dann ein Bacchanal mit allen denkbaren Ausschweifungen. — So lautete die Beschuldigung, gegen welche die christlichen Lehrer um so mehr Alles aufboteu, was die Vernunft dagegen Vorbringen konnte, da öfters, wie später, und jetzt wieder, bei den Judenverfolgungen Aussagen durch die Folter oder durch die Furcht, gefoltert zu werden, erpreßt, der Anklage das fehlende Gewicht gaben. T e r t u l l i a n, Iustinus, der Märtyrer, Athenagoras, MinutiuS Felix, machten alle die'Gründe geltend, welche Jahrhunderte darauf in gleicher Sache von so vielen Rabbinen und namentlich von Moses Mendelssohn vorgeführt wurden, um den schrecklichen Wahn zu entkräften, der gegen die Juden bis auf den heutigen Tag nicht ganz ansgerottet worden ist. //Ist es denn wohl denkbar" sagten sie unter andern, //daß eine große Anzahl von Menschen ganz verschiedenen Charakters Tod und Schande für nichts achten und Grundsätze hinten ansetzen sollten, welche Natur und Erziehung jedem Gemüthe eingepflanzt haben?// Zum Unglück hatten kaum die Christen etwas festeren Fuß gefaßt und sich in mehre Secten getheilt, als sie die schreckliche Beschuldigung, welche ihnen aufgebürdet worden war, sich nun selbst gegenseitig zuschoben.— Die Marcioniten, die Carpokrationer, die Gnostiker sollten, wie die sich orthodox nennende Gemeine behauptete, solchen Mord üben und wir dürfen uns daher nicht wundern, daß der schreckliche Wahn, als diese Sekten verschwunden und in der allgemeinen triumphirenden Kirche aufgegangen waren, nun wieder sich gegen die gehaßten Juden um so eher kehrte, je mehr auch sie ihre Gottesverehrung in dem Dunkel der Nacht verhüllen mußten, dem Spott, der Unduldsamkeit, dem schrecklichsten Glaubenszwange zu entgehen. — Das Ganze aber lehrt uns, dem schrecklichen Wahne um so eher zu entsagen, wenn wir nicht zugeben wollen, daß die Gründer des Christenthums, die Märtyrer, zu deren Gebeinen heute noch Tausend gläubig wallfahren und andächtig beten, Menschenblut und Menschenfleisch genossen haben, wie es der unchristliche verblendete Haß noch jetzt Tausenden von Juden Schuld gibt, die so unschuldig sind, wie jene Märtyrer und Heilige! Berichtigungen: Seite 149, Spalte 2, Zeile 4. v. u. muß cs heißen "Mit" statt „Seit". Seite 150, Spalte 1, Zeile 1. v. u. "erste" statt "letztere"; Zeile 2, "letztere" statt „erste". Zu beziehen durch alle Postämter und Buchhandlungen von dem Postamte in Meiningen und der Kesselring'schen Hofbuchhandlung zu Hildburghausen und Meiningen. Preis, einschließlich des ganzen Porto, 1 Thlr. 16 gr. C. M. od. 3 fl. rhein. jährlich. Druck von Doll und Schaffer in Kassel.