Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 2 (1840-1841)
- Issue
- Heft 21 (28.2.1841)
- Date
- 1841-02-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Israelit des nmrizchttcn MrhmhMs. Ein Wochenblatt für die Kenntniß des israelitischen Lebens, besonders in religiös-kirchlicher Beziehung. Herausgegeben vr. M. Heß, Land-Rabbinen zu Stadtlengsfeld, im Großherzogthum Sachfen-Weimar-Eisenach. Rr. 21 Sonntag den 28. Februar 1841. II. Jahrgang. Motto: Entschieden, freisinnig, muthvoll und wahr. Rabbinenwahl, oder Fehde zwischen I»--. Lo wo sitz und»r. Holdheim La verite, toute la verite, rien que la verite. Vpr längerer Zeit erschien aus Anlaß der bekannten Differenzen in Breslau ein kleines Schristchen, betitelt: Rabbinenwahl, zur Aufklärung über die dabei vertretenen religiösen' Interessen, von vr. I. B. Lowositz, von welchem die israelitischen Zeitschriften kaum eine Notiz nahmen, nach unserer Meinung aber mit großem Unrecht. Das unansehnliche Schristchen bespricht die Grundrichtungen des religiösen Fortschrittes im Judenthume mit einer so gewandten Dialectik, und weiß diese Richtungen mit so leicht täuschenden Namen zu bezeichnen, daß es viel Unheil verbreiten, und namentlich christliche Beamte, vor welche die Entscheidung über die Wahl und Anstellung israelitischer Volkslehrer kömmt, in der Sache irre machen kann. Auf der andern Seite aber enthält es über eine auch den neuen Rabbinen verbliebene Funktion, die Entscheidung der sogenannten Gewissensfragen Bemerkungen, die im Stillen längst von allen Erleuchteten derselben getheilt worden sind, die wir aber endlich öffentlich und unumwunden aussprechen müssen, wenn wir nicht in dieser Beziehung das Höchste und Heiligste des geistlichen Berufes, die Wahrheit, Rücksichten der Klugheit und des Ehrgeizes, ferner aufopfern wollen! La verite, toute la verite, rien que la verite, setzten wir daher mit Absicht unserer Untersuchung voran. Gefreut hat es uns, daß einer unserer gelehrtesten Rabbinen, der wackere vr. Holdheim in einer Broschüre, betitelt: der religiöse Fortschritt im Deutschen Judenthume, jenem Schristchen eine größere Aufmerksamkeit widmete, und die darin vorkommenden Argumente zu widerlegen suchte, wenn wir auch diese Widerlegung nicht als genügend betrachten können. Wir werden daher in der nachfolgenden Beurtheilung, Gründe und Gegengründe genau abwägen, ergänzen, wo etwas zu ergänzen, berichtigen, wo etwas zu berichtigen ist, überall aber von den Personen abstrahiren, obgleich die eine die Idee des Fortschrittes vertritt, während die andere einer starren Stabilität das Wort zu reden scheint, und nur der Wahrheit, der vollen, lauteren Wahrheit die Ehre geben — Herr Lowositz, nachdem er einige Bemerkungen über die überall stattfindenden Zerwürfnisse bei der Wahl der Rabbinen vorausgeschickt, beginnt also: „Dies Alles wäre jedoch nur eben Folge der gedachten Zerwürfnisse oder dieselben begleitenden Umstände, nicht der Grund, nicht der Ausgangspunkt derselben. Dieser möchte wohl hauptsächlich darin zu suchen seyn, daß in neuerer Zeit von einer Seite her, das äußere, jüdisch-religiöse Leben dem Einflüsse eines fremden Princips, dem der christlich-germanischen, der allgemeineuropäischen (oft nur vermeintlichen) Zeitbildung, zu unterziehen, und von einem der Sache fremden Gesichtspunkte aus, die Würdigung desselben in seinen Einzelheiten versucht worden. Ohne Rücksicht auf die allein sachgemäße und wesentliche historisch-religiöse Begründung und Berechtigung eines äußerlich religiösen Moments,