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Dibre Emeth · 1900-01-01 · 11 (1900) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
56 (1900)
Issue
11 (1900)
Date
1900-01-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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88 ll>ort von jenseits, vor dem Belsazar zusammenbebte und vor dem Paulus selbst verstummte und erblindete, das Wort, das da bindet und löset, tötet und lebendig macht. (per Geschichtsschreiber Karl Adolf Menzel.) . 2. Ich darf sagen, daß ich seit 40 Jahren als Professor des Sanskrit so viel Zeit dem Studium der heiligen Bücher des Ostens gewidmet habe, wie irgendein anderer Mensch in der Welt. Der eine Grundton, der sich durch alle hindurchzieht, ist die Seligkeit durch Werke. Sie alle lehren, die Seligkeit müsse erkauft werden. Unsere eigene Bibel, unser heiliges Buch aus dem Osten, ist von Anfang bis zu Ende ein Protest gegen diese Lehre. Gute Werke werden allerdings auch in diesem heiligen Vuche des Ostens gefordert, aber sie sind nur der Ausfluß eines dankbaren Herzens, die Früchte unseres Glaubens, nie das Lösegeld der wahren Jünger Lhristi. Laßt uns die Hindus, Buddhisten und Muhammedaner belehren, daß es nur Ein heiliges Buch des Ostens giebt, das ihr Trost sein kann in jener ernsten Stunde, in welcher sie ganz allein hinübermüssen in die unsichtbare Welt! - (Der Orientalist Max Müller.) Ein Traum und seine Deutung. Albert Knapp, der württembergische Theologe und Dichter, erzählt in seinen „Monologen": „In meinem y. Lebensjahr hatte ich einen süß-wehmütigen Traum, dessen Bedeutung mich bis hierher gleich einem mahnenden Engel begleitete. Es ward mir zu Mute, ich sei zur Unsterblichkeit und für ein ewiges, unsägliches Glück geschaffen, das wie ein ferner, herrlicher Sternenhimmel mich anschimmerte, von diesen Gefühlen bewegt, ging ich in meinem elterlichen Hause umher an einem lieblichen Morgen, da trat ein geheimnisvoller, schöner Mann mit silbernem Barte zu mir und übergab mir ein ungemein schönes, großes Kästchen voll der prächtigsten Kleinodien. Leuchtende Edelsteine von verschiedenen Farben, mit edeln, mächtigen perlen vermischt, funkelten darin durcheinander, und ich hatte eine Freude daran, die nicht zu beschreiben ist, weil es dabei hieß: „Dies ist der Schatz deines Lebens." Vielleicht nie habe ich tiefere, süßere Ahnungen von einem vollkommenen Gute gehabt, als tu jenen kurzen, nächtlichen Momenten, die, ach, so schnell mir verbittert werden sollten. Denn unversehens sah ich mir mein herrliches Kleinod von einer dunkel vorbeifahreuden Hand entrissen, und ich mochte im ganzen Haus, in allen Ecken, wie ich that, nachsuchen, fort war cs, ich vermochte es nicht mehr zu finden, und auch die Tröstung anderer, die mir's suchen halfen, war ebenso vergeblich. M.t unaussprechlichem Leid gedachte ich des köstlichen Besitzes; die klaren Juwelen schimmerten mir noch immer im Auge, aber, ach, ich hatte sie eben nicht mehr, und niemand wußte, wohin sie verschwunden. Durch jenen einzigen Traum wurde ich innerlich vielleicht um fünf Jahre älter, denn durch nichts streifen wir den kindischen Sinn früher und entschiedener ab, als durch die Sehnsucht nach einem verlorenen, ewigen Gut. Die Bedeutung des Traums trat mir von einem Jahre zum andern stets Heller und mahnender vor das Gemüt, und als ich nach langer zugendlicher Irrfahrt endlich zu dem Lebensbaume des Evangeliums mit halberöffneten Augen hingezogen ward, da wußte ich mir jenen edeln, frühe verlorenen Schatz stets tiefer zu erklären. Jenes Wort des Erlösers: „Eins ist not!" leuchtete mir von Anfang meines Erwachens unveränderlich in das Herz, und du, meine Seele, weißt es, wie oft ich dich vor Seinen Thron n-it ebensovielen bittern als süßen Thränen gezogen habe, weil wir erkannten, daß Er allein, Ec, der Gekreuzigte und Auferstandene, uns jenes unsäglich teure Gut wieder einhändigen könne, das uns der Teufel, im Bunde mit dem Sündengesetz in unfern Gliedern, frühzeitig genug gestohlen hatte, um uns mit Träbern zu füttern, während wir Brot am väterlichen Tisch essen konnten, uns mit Glasperlen abzufertigen, während mir Jesus, als ein unbekannter Freund, früh das Bild seines ewigen Kleinode gezeigt hatte, und urn uns vom Schlamm vergifteter Zisternen zu tränken, wo die Krystallqnelle des ewigen Friedens unsichtbar neben uns rieselte und ihr lieblicher Schall unser Ohr berührte. Desto größere Sünde ward es mir und dir, die Ouelle zu wissen und doch nicht gehörig aus ihr zu trinken. Meine Seele, demütige d.ch tief unter Gottes gewaltige Hand! Mache deine Pforten hoch, daß einziehe der König der Ehren, Er, der dein verlorenes Kleinod hoch in der Rechten hält!" Herausgeber: Prediger W. Becker, Friedenau-Berlin, Hauffstraßs \5. Verlag: Goßnersche Missionsbuchhandlung, Friedenau-Berlin. Jahrespreis: 80 Pf. Druck von g. windolff, Berlin 8 . W., Ltiurlottenstraße 88.

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