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Dibre Emeth · 1898-01-01 · 10 (1898) · page 8

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Journal
Dibre Emeth
Volume
55 (1899)
Issue
10 (1898)
Date
1898-01-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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80 „Wenn ich auch,,viel jünger bin als Sie, so fyabe idj doch die Welt besser kennen gelernt." Der Ältere sah sein Gegenüber ernst an und antwortete: „Sie mögen Recht haben, daß Sie die Welt besser kennen als ich. Dafür hat die Welt Sie auch ruiniert." Der junge Mann schwieg. Als er aber bald darauf den wagen verließe ergriff er die Hand des Älteren und sagte mit Thränen in den Augen: „Ja, Sie haben Recht. Die Welt hat mich ruiniert." — welche Verstärkung der Worte, die {. Joh. 2, 15— \7 zu lesen sind! Zw Wartezimmer des Arztes. viele Tausende aus unserem Volk besuchen die Sprechzimmer der Ärzte, die einen selbst krank und hilfsbedürftig, die andern, für ihre Krankeu daheim Rat und Hilfe erbittend, wohl denen, die nur mit kleinen Anliegen kommen! In solchen „leichten Fällen" wird schnell geholfen. Aber viele kommen mit klopfendem Kerzen, auf dem zentnerschwere Sorge lastet. Der Mann, die Tochter, der Bruder, die Mutter liegen schon lange Wochen, und eine Besserung ist nicht zu spüren. Die Kräfte schwinden, die Wangen fallen ein. Wenn heute der Arzt wieder die Achseln zuckt, dann können sie darauf gefaßt sein, daß bald zwei Augen sich schließen. Äber was dann? Ls sind oft gar ernste Gedanken, die Linkehr halten bei denen, welche halbe und ganze Stunden im Vorzimmer warten müssen, ehe sie gerufen werden, Gedanken, die hinunter gehen bis ins dunkle Grab und hinauf bis an die Pforten der Ewigkeit, wie viele Herzen wären da empfänglich und dankbar für „ein aus heiligen Tiefen geschöpftes Trostwort! wunderbar ist es, daß unseren Ärzten so selten die Erkenntnis kommt, wie in Not und Elend, in Krankheit und Jammer die Kranken samt ihren Angehörigen sich auch noch nach anderem Rat sehnen, als ihn des Arztes Mund zu geben vermag, und nach anderer Medizin, als man sie abs der Apotheke holt, würden sie sonst in ihren Wartezimmern lediglich gleichgültig lassende Bücher auslegen: Reisebeschreibungen und Gedichtsammlungen, obenein noch „Fliegende Blätter" und gar „Lustige Blätter?" Ich habe von Spezialärzten gelesen, die legen die Blätter der deutschen Sittlichkeitsvereine aus: ganz und gar paffend für nicht wenigerer Patienten, mit denen sie es zu thun haben. In den Wartezimmern anderer Ärzte sind die deutschen Mäßigkeitsblätter zu finden. Das ist nicht minder mit Freude und Dank zu begrüßen. Denn die furchtbare Mutter vieler Krankheiten ist die Unmäßigkeit, wie prächtig aber wäre es, wenn recht viele Ärzte ein schlichtes Neues Testament auf ihre Wartezimmertische legten, daneben ein paar gute Bücher, die sonderlich für trostbedürftige und kranke Leute geschrieben sind! Hinge dann noch an den wänden ein oder das andere Bild von dem, der als der wahre Arzt die Mühseligen und Beladenen zu sich ruft und ihre Thränen trocknet: in solchem Sprechzimmer würde mehr als ein Hülfesuchender. dem es um Trost sehr bange ist, zu dem Brunnen geführt, der lebendiges Wasser in die verdursteten Seelen giebt. (Kirchl. Wochenblatt.) Zur Statistik. Nach I. de le Roi wurden im 19. Jahrhundert 13*28 Juden in ganz Preußen evangelisch getauft, hiervon entfallen etwa 5000 auf Berlin. Im Kgr. Sachsen fanden 770 Taufen statt. Die Gesamtzahl der Übertritte zur ev. Kirche Deutschlands beträgt 17520. Die katholischen Judentaufen in Deutschland schätzt de le Roi auf 5000. Für Österreich-Ungarn nimmt er 8356 evangelische, 36200 katholische. Taufen an, für Großbritannien 23500, bezw. 1500, für Rußland 3902 evangelische, : 12000 römisch-, 69400 griechisch-katholische. Insgesamt traten nach ihm in diesem Jahrhundert etwa 224000 Juden zum Christentum über. — In Deutschland sind die Juden in der Landwirtschaft mit J6J6, in der Industrie mit 23 598,^ im Handel mit 60105 selbständigen Personen vertreten. Die Zahl der jüd. Angestelltem beträgt 76, 5566 und 14997, die der jüd. Arbeiter 1679, 16829 und 38549. Unter den deutschen Dienstboten befinden, sich 6371 Israeliten. — In England giebt es z. Zt. 144, in Frankreich 300, in Österreich-Ungarn über 2000 jüdische Offiziere. Herausgeber: Prediger w. Becker, Friedenau-Berlin, Hauffstraße 13. Verlag: Goßnersche Missionsbuchhandlung, Friedenau-Berlin. Jahrespreis: 80 Pf. 7>ruck von 3. windolff, Berlin S.W., Lharlottenstraße 88.

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