Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 45 (1889)
- Issue
- 4 (1889)
- Date
- 1889-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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26 Spur von einer Anlage. Über das Irdische und Zeitliche hinaus fliegt sein Geist in höhere Gebiete. Es regt sich in dem Rnaben ein Zug, der ihn den großen Männern seines Volkes ähnlich macht. Wie die Propheten ist er ein Mensch der Sehnsucht. Noch nicht UÜährig schreibt er eine Untersuchung, in welcher er über das Judentum hinaus und in die Geheimnisse des Christentums hineinschaut. Wir haben den Eindruck: Es kann nicht mehr lange währen, so wird David den Schritt thun, der ihn in die Gemeinde des Heilandes führt. Und doch stellt er sich noch einmal kräftig auf den Standpunkt seines Volkes. Beim Übertritt vom Iohanneum zum akademischen Gymnasium in Hamburg hält er eine Rede über die Notwendigkeit der Emanzipation der Juden, wenn er für die letzteren bürgerliche Gleichberechtigung fordert, so war ihn: sein großer Volksgenosse Moses Mendelssohn hierin ein Vorgänger, vor allem wünscht er es deutlich zu machen, daß Israel nur dann geholfen werden könne, wenn nran ihm nrit Liebe und vertrauen entgegenkomme. Am 25. Februar \8Ö6 wird der Siebenzehnjährige in der Ratharinenkirche zu Hamburg getauft, von einen: seiner Taufzeugen nimmt er den Familiennamen Neumann oder Neander an. Daß ein Ausspruch plutarchs die Entscheidung herbeigeführt habe, läßt sich nicht Nachweisen, vielmehr wurde der Übertritt allmählich, besonders durch seine platonischen Studien, vorbereitet. Neander war eine beschauliche Natur, und bei einer solchen geht alles in ruhiger Entwickelung vor sich. Der Entschluß, sich Thristo hinzugeben, ergiebt sich bei ihm ans der letzteren wie eine reife Frucht. Niemand scheint sich darüber sonderlich verwundert zu haben. Der junge Mann sollte nun mit Hilfe eines wohlgestellten Mheims Rechtswissenschaft studieren und ging deshalb nach Göttingen. Allein schon nach wenigen Wochen stand sein Entschluß fest, Gottesgelehrter zu werden. Um Schleiermacher zu hören, wandte er sich nach Halle. Er fühlte sich hier vollkommen befriedigt, mußte jedoch die Stadt bald wieder verlassen, da die Universität nacb den traurigenpolitischen Ereignissen des Jahres \80(> aufgehoben wurde. Er kehrte nach Göttingen zurück, wo er von allen Mitteln entblößt ankam. Einer seiner Freunde wurde hier gleichsam sein Vormund. In Göttingen setzte Neander seine Studien fort und beschäftigte sich namentlich mit der Rirchengeschichte. Seine Lehrer, plank und andere, genügten ihn: auf die Länge nicht recht. Die Rirchengeschichte war nach ihnen eine Reihe menschlich zusammenhängender Ereignisse, bei welcher man nur anstandshalber eine Vorsehung mit in den Rauf nahm. Nachdem Neander seine Studien in Göttingen beendigt hatte, begab er sich Mstern wieder nach Hamburg. Zn Michaeli machte er hier ein glänzendes theologisches Examen. Manchmal predigte er, und zwar mit großem Beifall. Seinen Lebensunterhalt erwarb er sich mit Privatunterricht. In: folgenden Jahr that sich ihn: eine Thüre auf zu einer Wirksamkeit als akademischer Lehrer, wie er sie gewünscht hatte. Durch .Vermittlung Gurlitts gelang es ihm Michaeli \S\0, sich in Heidelberg