Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 38 (1882)
- Issue
- 7-8 (1882)
- Date
- 1882-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Mentioned entities
- Odesa 1× ep/1000834
- Riga 1× ep/1000826
OCR text
112 jüdisches Mädchen, die ihren Glauben an Jesum kühnlich auf dem Polizeiamte in Riga bekannte, vor das sie gefordert worden war, um dort mit dem Rabbiner und ihren Eltern eine Zusammenkunft zu haben. Zwei Stunden lang drangen sie unter Thränen und Küssen in dieselbe, ihnen nicht durch den schrecklichen Schritt eines UebertritteS zum Christenthum das Herz zu brechen, aber es wurde ihr Gnade verliehen, festznstehn und Christo zu gehorchen. Die Verfolgungen, welche im Januar ausbrachen, haben einen gewissen Stillestand in dem Werke hervorgebracht.. Die letzte Taufe von 8 jüdischen Personen auf einmal, von welcher wir vorher berichtet haben, hat den Haß der Juden gegen den Missionar sehr gesteigert, so daß ihn mehrere derselben bei der Obrigkeit wiederholt verklagt haben. Aber nicht in Riga allein ist der reichen Aussaat eine reiche Ernte gefolgt. Dr. Ben Zion in Odessa konnte mehrere seiner Besucher taufen, Miss. Rosenberg in Adrianopel sogar 11 derselben, von denen einer 12 und ein anderer nicht weniger als 16 Jahre gekämpft haben, ehe sie die Taufe erbaten. Im Ganzen hat diese eine Gesellschaft während des Jahres 1881 die Taufe an 46 Juden ertheilen können. Unter den Rednern am Jahresfeste befand sich auch Miss. Gottheil aus Stuttgart. Derselbe theilte Manches aus seinen Erfahrungen mit. „Ich nehme Sic mit mir in ein großes Zimmer, das sich in einem geräumigen Bauernhause befindet. Das Zimmer ist dicht gefüllt, Männer und Frauen sind zugegen, aber auch an jungen Leuten fehlt es nicht. Man sieht sogleich, daß hier eine religiöse Versammlung stattfindet. Leiter derselben ist ein Mann mit grauen Haaren in dem einfachen Kleide eines Gewerbetreibenden. Wer ihn ansieht, erkennt in ihm sofort einen Sohn Abrahams, aber auch, daß auf ihm der Friede Gottes ruht. Und wenn man seinen Worten zuhört, so fühlt man es sogleich, daß dieser Mann einen tiefen Trunk aus den Wassern des Lebens gethan hat. Dieser Mann aber ist der Sohn jüdischer Eltern, erlernte das Gewerbe eines Tuchmachers, und während er als solcher in meiner Nachbarschaft in Arbeit stand, brachte uns Gott vor etwa 28 Jahren zusammen. Bei seinem für die Wahrheit offenen Sinne durfte ich ihn bald zum Verständniß der Nothwendigkeit eines Erlösers bringen und ihn dann als Erstling auf der neuerrichteten MissionS-