Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1881-01-01 · 1-2 (1881) · page 15

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
37 (1881)
Issue
1-2 (1881)
Date
1881-01-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
99% known words query
IRI
…/2554541-2554868-2554870--07534-2563548
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

15 Worte ja nicht in unfern Mund zu nehmen wagen, wenn Gott selbst sie nicht gesprochen hätte; aber er sagt: K. 16, 46. „Deine Schwester, welche kleiner ist als du, ist Sodom mit ihren Töchtern." Sodom also hat geringere Sünde gethan, und Israels Sünde muß noch höher gestiegen sein! Meine Brüder, da die Hilfe Gottes zuletzt nur möglich ist, wenn mau die eigene Sünde erkennt und bekennt, so denket diesem Worte eures Herrn nach. Sodom hat, als es alle Mahnungen von Menschen abgewiesen, zuletzt noch die himmlischen Boten Gottes in Menschengestalt bei sich einkehren sehen. Aber zum Lohne dessen hat es sich an diesen Heiligen Gottes vergreifen wollen; und dafür hat alsdann der HErr die Stadt mit Feuer und Schwefel verbrannt. Was ist es also wohl, das die Rede Gottes rechtfertigt: eure Sünde sei noch größer, denn Sodoms Sünde? Sollte nicht doch nach Mose und allen Propheten, nach allen Frommen und Gerechten ein Gesandter Gottes zu euch vom Himmel in Menschengestalt gekommen sein, der eben noch mehr war als jene Engel, in Sodom? und sollte es nicht als die größte Sünde und Schuld auf Israel liegen, daß es an diesen die Hand gelegt hat? Bis hierher habt ihr euch das nicht eingestehn wollen, weder eure früheren Geschlechter noch das jetzige. Ja, wenn ihr auch in euren Gebeten Sünden bekennt, wenn ihr viele einzelne Missethatcn aufführt, wenn ihr von der Nothwendigkeit der Buße redet, und wenn auch die Synagoge dieselbe lehrt, so wollt ihr doch immer noch nicht Sodom sein, das sein Gericht trägt, noch eine Vergebung empfangen, die nur eine Sodoms-Vergebung wäre. Das Gericht, welches hinter euch liegt, fürchtet ihr euch recht zu verstehn, und habt euch immer wieder beruhigt, wenn es nach den dunklen Tagen während der Zeit der Zerstreuung wieder Helles Licht werden zu wollen schien. Ihr habt eben jede Sprache, die der HErr an eure Herzen und Gewissen in den Ländern führt, immer wieder zu übertäuben gewußt und habt noch nie vor ihm bekannt: Hier steht Sodom vor dir, das dein Zorn verbannt hat und das zum wahren Leben nur Wiederaufleben kann, wenn du dein schöpferisch Werde sprichst. Jetzt wollt ihr euren Frieden und euer Heil darin finden, daß ihr Genossen, Glieder und Bürger der Völker werdet,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.