Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 37 (1881)
- Issue
- 1-2 (1881)
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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13 helfe ihnen aus all' ihren Wohnsitzen, in denen sie gesündigt, und reinige sie, und sie werden mir zum Volle, und ich werde ihnen zum Gott sein." Das klingt freilich gar anders als die Predigten und Zeugnisse, welche ihr, meine Freunde, gewöhnlich aus dem Munde eurer Lehrer, Theologen und Schriftsteller zu vernehmen pflegt. „Durch dich selbst wirst du entweiht unter den Völkern!" lautet hier die Anrede Gottes an euch. Statt dessen wollen euch eure Führer seit Jahrhunderten glauben machen, daß ihr von den Völkern als die angesehn werden müsset, die als die rechte, wahre Gottesgemeinde vor den Augen der Andern leben. Man will euch von dieser Seite einreden, daß ihr die Völker den Namen Gottes heilig halten, Gott recht erkennen und Gott recht dienen lehrt. Da aber euer Jehovah selbst und sein Prophet ganz anderes sagen, so müssen wir deren Wort vor euch wiederholen: „Ihr entweihtet den Manien Gottes unter den Völkern, zu denen ihr gekommen seid!" Israeliten, es geht nicht an, daß ihr uns Vorwürfe macht, wenn wir euch nicht zu unseren Lehrmeistern in der Religion und Wahrheit Gottes für unser Leben und Denken, für unser Thun und Lassen erwählen. Wir wollen freilich euren Propheten gehorchen und wollen sie unsere Prediger und Wegweiser bleiben lassen. Aber wenn wir das wollen, dann bleibt uns keine andere Wahl, als daß wir euer Wesen und eure Gegenwart unter den Völkern in dem Lichte betrachten, das von jenen Gottesmännern her auf dieselben fällt. Hier ist eben nur eins möglich: entweder wir brechen mit den Propheten oder mit euren Meinungen. Aber euer Schicksal, das sich ganz so erfüllt hat, wie es die Propheten vorausgesagt haben, warnt uns, eurem Selbstzcugnisse zu folgen, und verbietet es uns im innersten Gewissen, eure Wege gut zu heißen oder sie wohl gar selbst zu gehn. Ihr könnt denn auch zum Frieden mit Gott und Menschen nicht gelangen, so lange ihr fortfahrt, an eurer eignen Gerechtigkeit festzuhalten. Ihr könnt nicht die Freundschaft Gottes und die Anerkennung der Menschen erlangen, so lange ihr euch als Märtyrer und eure Schicksale in der Zerstreuung als Martyrium im Dienste Gottes betrachtet. Ihr wollt es euch nicht eingestehn, daß ihr euch den Gott der Gnade in einen Richter verwandelt habt, und sucht einen falschen Trost für eure Lebensführungen.