Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 35 (1879)
- Issue
- 11-12 (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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162 schwach seid, und die euch zu seiner Zeit ebenso gefangen nehmen wird, wie sie fort und fort ein Volk der Erde nach dem anderen gefangen genommen hat und noch immer gefangen nimmt. So hört denn, Christen und Juden, was wir euch aus dem Wirken und Arbeiten der Londoner Mission und aus ihrem 71. Jahre zu erzählen haben. Wir wollen euch sogleich, weil nun einmal gar Viele zuerst immer hiernach fragen, mittheilen, daß diese Mission im Laufe ihres letzten Jahres 90 Juden getauft und über 720,000 Mark für ihre Zwecke eingenommen hat. Wir »vollen auch selbst das Rechenexcmpcl anstellen, das jüdische Blätter so gern vorzunehmcn pflegen, und hiermit erklären, daß in diesem Falle also die Bekehrung eines Inden den Kostenaufwand von 8000 Mark verursacht hat. Wir wollen diese in der Welt so beliebte Rechnung uns vollständig gefallen lassen und nur hinznfügen, daß wir eben dieses von Juden als ein „faules" bezeichnete Geschäft ein „gutes" nennen. Aber wir wollen hierbei eben auch Gelegenheit nehmen, einmal festzusiellcn, für wie Verschiedenes Menschen arbeiten und Geld und Kräfte daran setzen. Als unsere Lebensaufgabe erscheint uns nicht, Geld zu sammeln, Kenntnisse zu gewinnen, für Haus und Familie, Gesellschaft und Staat zu wirken, sondern unser Ziel liegt weiter und höher: wir wollen alle Güter der Erde, alle Gaben des Geistes, alle Schätze der Erkenntniß, alle Ordnungen des natürlich menschlichen Lebens dazu gebrauchen, daß sic uns und daß sie alle unsere Mitmenschen in die Gemeinschaft des ewigen, vollkommenen, selige» Gottes hineinfnhren. Das ist der Sinn, der Trieb und die Kraft auch unserer Judcnmisston. Wer etwas Besseres hat und kennt, der sage und zeige es uns; hat und kennt er es aber nicht, lote beim bisher allerdings noch Niemand uns ein solches geboten hat, dann wähne er nur nicht, daß er uns durch seinen Tadel, seinen Zorn und seine Verachtung von unserem Werke abwendig machen werde. Wir wollen Alle zum Höchsten rufen; wie sollten wir darinnen irre werden, wenn man uns durch Gedanken, die aus dem Niederen stammen, abwendig zu machen sucht. O nein, wir fallen nicht zu euch, sondern ihr müßt so gewiß einmal zu uns fallen, als es Wahrheit ist, was der Prediger Salomonis sagt: „Gott hat dem Menschen die Ewigkeit in das Herz gelegt!" Und nun begleitet uns auf unseren Missionswegen.