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Dibre Emeth · 1879-01-01 · 1-2 (1879) · page 31

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
35 (1879)
Issue
1-2 (1879)
Date
1879-01-01
Page
– (sequence 31)
Language
German
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31 1876 in Abessinien 64 Maschas die Taufe empfangen haben, ist die Zahl der Getauften im Jahre 1877 auf 94 gestiegen. Nach der Saatzeit beginnt hier die Ernte. Predigten von Rabbiner 3. Stern. Rabbiner I. Stern im Würtemberg'schen Buttenhausen hat eine Anzahl Festpredigten im Druck erscheinen lassen, die sich vortheilhaft vor den meisten uns sonst bekannten unterscheiden. Der jüdische Standpunkt wird in ihnen eifrig festgehalten. R. Stern weist trotz der h. Schrift den Gedanken weit zurück, daß Israel zur Strafe für seine Sünden wandern müsse, Gott habe es vielmehr unter die Völker zerstreut, damit es zum Segen für alle Geschlechter der Erde werde, das Salz der Völker, der Sauerteig der Nationen, ein Missionar der Bildung, der Intelligenz und Moral. Aber so sehr er hier ein Kind des modernen Judenthums ist und so sehr er darin der Parole seiner Wortführer folgt, so besitzt er nun doch auf der andern Seite bei Weitem mehr Billigkeit und Rechtssinn, als man ihn sonst in den meisten jüdischen Schriften und Predigten findet. Rabbiner Stern redet seine Gemeinde doch nicht blos so an, wie vorher die Rede davon war, sondern er sucht auch in manchen Punkten ihr Gewissen zu wecken. Er. beklagt den verwerflichen Hang zu Prunk und Luxus in ihrer Mitte, die dann andere Laster im Gefolge hätten. „Woher denn diese tolle Jagd nach Reichthum, jenes mit so vielen Sorgen verbundene Wettrennen, zufolge dessen man auf den Ruin des Nächsten spekulirt, unreelle, unsolide Geschäfte betreibt, fleißige Menschen umgarnt und bestrickt, sie unbarmherzig aussaugt und von Haus und Hof vertreibt?" „Was ist der Grund, daß in den seltensten Fällen die Liebe und Neigung eine Ehe zu Stande bringt, in den meisten Fällen aber das Geld?" „Hüten wir uns vor jener Schönfärberei unserer Vergangenheit, vor jener argen Täuschung, Verwirrung und Verirrung, vor jener Geschichtstrübung, die unsere mittelalterliche Vergangenheit mit lauter lieblichen Zügen malt, ihre häßlichen Züge, woran sie leider nicht arm war, vertuscht! Hüten wir uns vor jener Selbsttäuschung und Selbstberäucherung, welche sich selbst alle Tugenden und Vorzüge zuschreibt."

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