Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 34 (1878)
- Issue
- 9-10 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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154 Ei« Erstling in Wie«. Die Berichte der Halle'schen Mission in der Beyer'schen Fortsetzung Heft 10 vom Jahre 1786 erzählen uns von dem Erstlinge, den die evangelische Kirche Augsburgscher Confession zu Wien aus Israel in sich aufnehmen durfte. Am 19. Juni 1785 fand die Taufe desselben durch den Superintendenten I. G. Fock statt, dessen Taufansprache auch in jenem Berichte zu lesen steht. Der Täufling hieß mit Namen Gabriel David, als evangelischer Christ hernach Andreas Friedrich David. Derselbe war 1750 in Altofen geboren, blieb aber nur bis zu seinem 19, Jahre in der Heimath, um dann nach Rotterdam zu gehen. Nicht befriedigt vom Judenthum verbarg er seinen väterlichen Glauben und ließ sich als Soldat der Republik Holland anwerben, in deren Dienst er nach Batavia ging. 1784 kehrte er nach Wien zurück. Unterdeß war in ihm der Entschluß, ein Christ zu werden, zur Reife gekommen, und in der Heimath, wo er fortan auch leben wollte, gedachte er sich öffentlich zum christlichen Glauben zu bekennen. Superintendent Fock sagt in seiner Taufansprache vor der christlichen Gemeinde: „Meine Collegen und ich haben uns von der Redlichkeit seiner Gesinnung in der Zeit des Unterrichts überzeugt. Er zeigte eine große Lernbegierde und ein sehnliches Verlangen nach der christlichen Gemeinschaft. Vom Christenthum hatte er bereits einige Kenntnisse, seine Zuneigung zu demselben aber war durch seinen Verkehr mit Christen in Batavia erwacht." Bei seiner Taufe verbat er sich alle Wohlthaten und Geschenke und eilte in sein Vaterland, um mit seinen Ersparnissen einen neuen Haushalt anzufangen und sich von seiner Hände Arbeit zu nähren. Als ihm den Tag nach seiner Taufe ein ungenannter christlicher Kaufmann eine Uhr überreichen ließ, weil derselbe bemerkt hatte, daß der Täufling keine besaß, schickte dieser sie mit herzlichem Danke wieder zurück und ließ dem edlen Geber sagen, daß er jetzt der reichste und zufriedenste Mensch sei. Der Bericht fügt hinzu: „Dieser Fall war der erste, daß im österreichischen Staate ein Jude in die evangelische Kirche ausgenommen worden ist."