Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 34 (1878)
- Issue
- 7-8 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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130 zogen unter den in ihren noch leeren Buden sitzenden Juden dahin. Die heiligen alten Gottesmänner Israels versuchten vergeblich, unter diesen ihren Söhnen in ihrem Worte einzukehren; „Unser Messias ist das Geld", war wieder das fast allgemeine Amen. Am frühen Morgen des anderen Tages stehe ich wieder an derselben Stelle und locke und rufe und mahne sie mit den Worten des Königs David aus dem hebräischen Psalter. Das gab einen Aufruhr, und doppelt nun, als ein Jüngling rief: „Aber der Herr hat doch Recht, denn er hat den König David für sich!" Ein alter Jude sprang herbei und schrie den jungen Menschen an: „Kauf dir einen Strick, laß dich schmadden (taufen) und dann hänge dich!" „Ich werfe Abraham, David und alle Propheten in den Koth", brüllte ein noch Wilderer, und: Sie werden nachgeworfen werden, daß Sie verfaulen, wenn Sie nicht noch einmal zu Kreuze kriechen, lautete meine Antwort. Unter dem größten Getümmel der mit einander kämpfenden Juden ging ich von hinnen; eine Katzenmusik in aller Form aus vielen Kehlen folgte mir — die Freunde aber riefen mir ein „Hoch" zu. 30. Keutenschläge. Eine Anzahl von Juden, besonders jüngeren Alters, in der nächsten Stadt hatte nur säuische Antworten auf meine Anrede; als ich ihnen aber erklärte, ich pflegte nur mit anständigen Leuten und nicht mit Schweinen zu verkehren, verstummte ihre freche Rede. Anderen, die ihre Geldvergötterung zum Besten gaben, sagte ich, daß der Dienst des goldenen Kalbes ihre Herzensreligion von Alters sei, und das wirkte zusehends. Christen drückten mir hernach für meine Worte die Hand. Als ein junger Ehemann aber mir in's Gesicht erklärte: „Heucheln Sie doch nicht; wir huren alle, wir öffentlich, Sie heimlich", entgegnete ich mit lauter Stimme: Der Herr hier stiehlt heimlich und ich bitte Alle, sich vor diesem Diebe in Acht zu nehmen! Der Mann erblaßte, aber die Kur hatte geholfen — er war von da ab wie umgewandelt. Solche Züge dürfen im Bilde nicht fehlen, sie zeigen, wie sehr der Boden unter den heutigen Juden unterwühlt ist, und mit welcher Frechheit man jetzt unter dem alten Gvttesvolke so vielfach sündigt. Um so enffetzlicher ist die Selbstvergötterung,