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Dibre Emeth · 1871-01-01 · 7-8 (1871) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
27 (1871)
Issue
7-8 (1871)
Date
1871-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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98 Immerhin wird es von Interesse sein, wenn jener kurze jüdische Religions- und Lehrinbegriff, welchen man den Schriften LiebeMhns entnommen hat, hier mitgetheilt wird: „Die Juden halten den Glauben an Gott für noihwendig, um das ewige Leben zu erlangen; noch mehr aber vertrauen sie auf die Werke des Gesetzes. Sie zählen 613 Gebote, deren Beobachtung ihnen im mosaischen Gesetze befohlen ist; davon rechnen sie jedoch diejenigen ab, welche außer dem Lande Canaan nicht gehalten werden können, z. B. die Opfer, an deren Stelle sie dagegen das Gebet setzen. Das allgemeine Verderben des Menschen läugnen sie nicht; glauben aber, daß der Mensch vermöge seines freien Willens den guten oder den bösen Weg wählen könne. Thut er Ersteres, so steht ihm Gott bei; versündigt er sich, so muß er Buße thun. Diese besteht darin, daß man seine Sünden bereue und beweine, faste, bete und Almosen gebe, oder — welches die beste Buße ist — sie nicht wieder thue. Ihr allgemeiner Bußtag ist der sogenannte Jom Kippur oder der große Versöhnungstag. An demselben erscheinen sie als todeswürdige Sünder in ihren Sterbekleidern in der Synagoge, in welcher sie den ganzen Tag mit Fasten und Weinen verbringen. Statt der ehemaligen Versöhnungsopfer schlachten Einige einen Hahn, Andere gehen an ein Wasser, schütteln ihre Kleider aus und glauben auf diese Weise ihre Sünden zugleich loö zu werden. Besonders aber halten sie dafür, daß der Tod an und für sich gewissermaßen alle Sünden gut mache; weswegen sie, wenn sie sterben, Gott bitten, ihren Tod als ein Versöhnungsopfer anzunehmen. Der Zustand nach dem Tode ist ihrer Meinung nach von dreierlei Art: Die Seele kommt entweder in das Paradies oder in die Hölle oder in das Fegefeuer: doch gelangt Niemand geradezu in ersteres, sondern muß erst eine Reinigung durch das Fegefeuer aushalten. Hat. Jemand einen Sohn, so darf dieser nur ein vorgeschriebenes Gebet 11 Monate lang, verrichten, damit die Seele des Vaters nach einem Jahre aus dem Fegefeuer erlöst werde.

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