Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 25 (1869)
- Issue
- 3-4 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2554541-2554773-2554776--05097-2561045- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
M Feier zu sein. Pünktlich um 4 Uhr wurde, ein herrliches Präludium auf einer schönen Orgel gespielt, und dies erweckte den Eindruck, als ob man sich in einer christlichen Kirche befände. Kurze Zeit darauf zog eine Processton von angesehenen Herren, Beamten, (Semite* Mitgliedern u. s. w. vom Fuße der Kanzel zu der Thür des Vorraums, wo die Schlüssel des Tempels dem Präsidenten von dem Obmann des Bau-Comite in feierlicher Weise übergeben wurden. Dann hörte man ein gewaltiges Blasen von Trompeten von der Gallerte herab, und nach kurzer Pause wurde die Hauptthür geöffnet: die Processton zog den Hauptgang hinauf in langsamem und feierlichem Schritt, während die Orgel und ein arrsgezeichnetes Orchester Wände und Decke wiedertönen machten von Tönen, welche die Erinnerung in die Tage zurückfähnen, von welchen wir so oft lesen. Die Processton wurde von den Vorlesern und Rabbinen angeführt, welche die Gesetzesrollen in schönen Sammethüllen, die mit prächtigen hebräischen Inschriften versehen waren, trugen. Drei derselben waren von Carmoistn oder Purpur und eine von weißem Sammet. Die Vorleser und Rabbinen trugen schwarze Talare, gleich denen unserer Geistlichen, und ein schwarzes Käppchen. Langsam zogen sie die Stufen hinauf, welche zu dem Heiligthum führten, gingen dann dieselben wieder hinab und stellten sich in einer Reihe hinter der Kanzel oder deni Lesepulte auf, den Rücken den Thüren der Lade zugewandt. Als die Musik aushörte, händigte der Cantor oder Vorleser seine Gesetzesrollen einem seiner Collegen ein, bestieg das Pult, und ohne sein Käppchen abzunehmen begann er einen hebräischen Psalm zu fingen, auf welchen der Chor antwortete. Seine Stimme, obgleich nicht sehr stark, reichte doch für das Gebäude aus, und war außerordentlich melodiös und ausdrucksvoll. Wir hatten die Worte vor uns, und nie vorher hatten wir eine Vorstellung von der Lieblichkeit und dem Melodischen dieser alten Sprache des auSerwählten Volkes Gottes, wenn sie zum Dienst des Heiligthums verwandt wird. Es folgte der Rev. vr. S. Adler, Rabbi der Gemeinde, der ein freies „Weihegebet" deutsch sprach. Er betete sehr inbrünstig, mit erhobenen Augen und gefalteten Händen,, aber als wir seine Worte hörten, empfanden wir doch tief das Fehlen von Gedanken, Hoffnungen 4*