Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 22 (1866)
- Issue
- 11-12 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- – (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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192 Freunde warf, in einen Strom von Schmähung gegen den König und das ganze Heer von Ohrenbläsern, die seinen Thron umschwärmen. „Wächter, ergreift eure Gefangene!" schrie Samuel nun, und wir wurden sogleich in unser Zelt getrieben, während der Bischof und sein Gefolge ihre Schritte durch die Umzäunung zurück lenkten, durch die sie gekommen waren. Diese aufregende Zusammenkunft wirkte wie ein Schlag auf meinen schwachen und durch Krankheit entkräfteten Körper, und ohne mich über die Wahrscheinlichkeit zu beunruhigen, sagte ich in einem heitern Tone zu meinen Mitgefangenen: „Ich bin schwerlich den Pfeilen des Todesengel entgangen, da ich mich für Fußketten vorbereiten muß." Niemand außer mir hatte, wie ich glaube, irgend eine Idee davon, daß uns eine ernste Prüfung bevorstände. Gegen Sonnenuntergang kam Seins Majestät über die Ebene gesprengt auf sein Zelt zu; er war noch nicht abgestiegen, als Herr B—, welcher außerhalb des Zeltes war, herein gelaufen kam und ausrief: „Der König kommt." Für einen Augenblick herrschte Lärm und Verwirrung, und dann schrie Alles: „Cocab, Frentschusch!" Der unwillige und Rache athmende Ton des Königs drang durch meine Seele wie die Todtenglocke aller meiner Hoffnungen. „Hund, Falascha, Schuft, sage mir den Namen des Mannes, der meine Vorfahren geschmäht hat, oder ich werde das Geheimniß aus deinem „Tailanya," starken Herzen, herausreißen!" brüllte der wüthende Theodorus. Ich versuchte zu wiederholen, was ich am Nachmittage zu den Abgesandten gesagt hatte; aber ehe ich einen Satz beenden konnte, wurde ich durch Faustschläge geblendet, während zur selben Zeit mehrere Burschen gewaltsam meine Hände ergriffen und anfingen um meine Arme harte und grobe Stricke zu winden, welche aus Fasern des Dolußa-Baumes gemacht waren. Rosenthal wurde gleichzeitig in ähnlicher Weise wie ich behandelt. Seine arme Frau, welche glaubte, daß unser letztes Stündlein gekommen sei, fiel ganz verstött Capitain Cameron in die Arme. Der letztere, welcher auch glaubte, daß Alle hingeschlachtet werden würden, rief mir zu: „Stern, wir werden bald im Himmel sein!" Dies erklärte der Negus dahin, daß es ein Rath sei, den Prelaten nicht bloß zu stellen, und Madame Rosenthal wurde sofort sammt ihrem Kinde unter einen Schauer von Schlägen in unser Zelt gejagt und dann in ihr eigenes, während der Consul und alle andern Gefangenen, mit Ausnahme des Herrn KeranS, welcher an einer ansteckenden Krankheit litt, zu Boden geworfen und gefesselt wurden. (Schluß folgt.) I« Commisfion: Carl Dülfer's Buchhandlung i« Breslau. Druck von C. H. Storch und Comp, in Breslau.