Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 21 (1865)
- Issue
- 7-8 (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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heftigsten Ausbruch kam und ihn an's Kreuz brachte als einen Gotteslästerer und Volksverführer. Aber bald darauf traten seine Jünger— bei seinem Tode wie Schafe, die der Wolf scheucht, nun Helden , die einer Welt trotzten — mit der Verkündigung auf, daß Jesus vom Tode erstanden, zur Rechten Gottes throne und einst, wie er selber verheißen, wiederkommen werde, die Welt zu richten. Aber Israel hat diese Botschaft von sich gewiesen, die Anhänger Jesu von sich ausgeschlossen, und lebt seitdem ein räthselhaftes Dasein: das Volk des Widerspruchs gegen das Christenthum, das seitdem die Welt zu erobern begonnen. Ueber sein Land und seine Stadt ist in dem erschütternden Drama der Zerstörung Jerusalems eine Katastrophe hereingebrochen, wie die Welt keine zweite gesehen hat: eine Million Menschen kamen um, gegen 90,000 wurden als Sklaven verkauft, die Sonne sah Gräuel, bei deren Erzählung uns das Herz erstarrt. Eine Weissagung Jesu hatte dieses Gericht verkündigt, die Christen hatten in Erinnerung daran sich vorher gerettet, die Juden hielten trotzig aus bis die Trümmer des brennenden Tempels die Trotzigen begruben. Und als der Kaiser Julian, den man den Abtrünnigen nennt, etwa dreihundert Jahre später um das Wart Jesu zu Schanden zu machen, den Wiederaufbau des Tempels befahl und begann, da haben, so wird von heidnischen wie christlichen Schriftstellern berichtet, Erschütterungen des Bodens und Feuerflammen, die aus ihm auffchlugen, die Arbeiten zerstört und die Arbeiter vertrieben: H seitdem liegt er in Trümmern und Israel sitzt trauernd im Staube und klagt um die geschwundene Herrlichkeit. In allen Ländern sind seine Söhne zerstreut, über die ganze Erde hin hat sie ihr flüchtiger Fuß getragen. Allenthalben haben sie sich Hütten gebaut, aber überall sind sie Fremdlinge geblieben und tragen den Stempel ihres Ursprungs auf ihreiw Antlitz und in ihrem Geiste. Mit einer Zähigkeit ohne Gleichen halten sie an den Traditionen der Vorzeit, obgleich mit dem Tempel ihr Kultus zerfallen und unmöglich geworden ist und sie das Gesetz nicht mehr erfüllen können. Ohne König, ohne Priesterthumohne Opfer, ohne einen Mittelpunkt halten sie doch noch zusammen, obwohl in lauter Atome auseinander gerissen, und leben, soweit sie sich nicht verloren haben in den schnöden Dienst der Interessen des Tages, von der Erinnerung der Vergangenheit und von der Hoffnung der Zu-