Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 18 (1862)
- Issue
- 7-8 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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dann, wenn, wie das bei uns der Fall war, Dankbarkeit die Brust schwellt und geheiligte Einbildungen das Gemüth erquicken. Abgeschiedenheit und Einsamkeit sind dann ganz vergessen und man eilt dann ohne irgend ein Gefühl von Müdigkeit von Dorf zu Dorf, von Weiler zu Weiler, über Berge und Hügel, über schwindelnde Abgründe und gähnende Schlünde. Die balsamische Luft und die lieblichen Landschaften, welche wie in einem Panorama in schneller Folge vor dem entzückten Blicke vorüberschweben, schließen jeden Wunsch nach Ruhe aus, bis der Mittag angeht und die Mittagssonne ein jedes Lüftchen zum Schweigen bringt und Mensch und Thier zwingt, Schutz und Schatten vor ihrer feurigen Gluth zu suchen. Das Dorf Gabriel, auf das unsere Schritte gerichtet waren, war ganz unsichtbar und wir zweifelten beinahe, ob wir auch aus dem rechten Wege wären, als wir eine Gruppe von schwarzen Gestalten bemerkten, welche in ihre weißen und reinen Sabbath-Schemas gehüllt aus der Spitze eines Berges lagerten, der, wie wir bei unserer Annäherung fanden, ihre Niederlassung überschattete. Wir bemerkten unter diesen ruhigen Gruppen eine bedeutende Bewegung und Aufregung und jedes Auge ruhte mit gefälligem und außerordentlichem Interesse auf uns, als ob sie besondere und wunderbare Besuche erwarteten. Nachdem einige Fragen und die gebräuchlichen Begrüßungen gewechselt worden waren, fragten wir nach ihrem Priester, und obschon die Leute glaubten, daß er am Sabbath die Mesquid nicht verlassen werde, so kam er doch zu unserer Freude mit einer Menge Männer und Weiber und Kinder zu dem grünen Platze geeilt, wo wir uns niedergelassen hatten. Der arme Mann, dessen abgemagerte Gestalt, todtenblaffes Gesicht und eingefallene Augen harte Kasteiungen und selbstauferlegte Leiden anzeigten, starrte uns mit einem Blick voll Angst und Verzweiflung an, wir sagten ihm aber, daß wir gekommen seinihnen Allen solch' gute Botschaft zu bringen, die geeignet sei, dem geängsteten Herzen Frieden, und dem Dunkel der verzweifelnden Seele Licht, Hoffnung und Freude zu gewähren. „Ihre Worte sind gut", erwiderte der Priester und ließ sich dann weit aus, als ob er ängstlich besorgt sei, den trostlosen Zustand der