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Dibre Emeth · 1859-01-01 · 4-5 (1859) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
15 (1859)
Issue
4-5 (1859)
Date
1859-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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50 regen und auf die Antwort gespannt zu machen, die er auf die Frage geben wird. Befremden muß es aber, wie ein jüdischer Rabbiner, ein Doctpr, der ein Bibelwerk geschrieben hat, sich abmüht, durch Philosophie und Anthropologie darzuthun, was „Wahrheit," was „der Kerninhalt der israelitischen Religion" sei, statt einfach zur Bibel zu gehn. Nachdem er den „Wahn" derer abgewiesen, die sagen: „es giebt keine Wahrheit;" und aus „der Sehnsucht in unserm Herzen," aus „dem Zweifel in unserm Verstände" und auS „dem nimmer rastenden Streben nach Wahrheit" gefolgert hat, „daß cs Wahrheit giebt," sagt er Seite 220: „Wahrheit ist, was wirklich ist und wie es ist. All das unendliche Sein, das ist, ist Wahrheit. Beweiset, daß Nichts ist, dann ist auch Wahrheit nicht. Aber ihr denket, so müsset Ihr ja sein. Weil aber alles Sein unendlich ist, ist die ganze Wahrheit nur Gottes, allein Gottes, durch dessen Gedanken und Willen all das Unendliche geworden ist, durch dessen Willen es immerfort ist, indem in Allem sein'Wille gegenwärtig ist. Darum sagen unsere Weisen: „„die Wahrheit ist das Siegel Gottes!"" Denn wahr ist, was wirklich ist, und das ist x durch Gott, also gleichsam durch ihn besiegelt, und darum die ganze Wahrheit Gottes allein, wie ein Siegel nur dessen ist, der es führt." Da haben wir also gehört, was Wahrheit ist; aber wer, der diese Definition von Wahrheit gelesen hat, weiß nun auch, was Wahrheit ist? Wer kennt nun diesen Theil „des Kerninhalts der israelitischen Religion?" Gewiß, nachdem man gelesen und noch einmal gelesen hat, was „die innerste Wesenheit, der Charakter, die Aufgabe, die Lehre und das Gebot der israelitischen Religion " ist und sein soll, weiß man erst recht nicht, was „Wahrheit" ist. Der Herr vr. hat das wohl auch selbst gefühlt und darum fügt er zu der philosophischen Belehrung eine weitere anthropologische. Er holt dabei ganz weit aus und giebt eine Definition vom Menschen! „Der Mensch denkt; er denkt, indem er wahrnimmt, Vorstellung erhält, urtheilt und schließt. Der Mensch fühlt aber auch, indem aus den unerforschlichen Tiefen seines Geistes bei jeder Berührung und Wahrnehmung von außen, die Empfindung heraufquillt und unmittelbar seine Seele durchströmt. Der Mensch knüpft aber auch an den flüchtigen

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