Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 14 (1858)
- Issue
- 11-12 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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175 Die Juden und Zudengenofsen in Hamburg. In derAllgemeinenZeitung des Judenthums, Nr.41 Seite561 ff., lesen wir die Anzeige und ausführliche Auszüge einer Predigt, welche von vr. Frankfurter, Prediger am Tempel in Hamburg, am Versöhnungstage dieses Jahreö daselbst gehalten wurde. Die Anzeige lautet wörtlich, wie folgt: „Hamburg, 22. September. (Privatmittheilung.) Zum ersten Male seit der ganzen Reihe von Jahren, berichte ich 'diesmal über eine gehaltene Predigt und zwar über vr. Frankfurters letzte Predigt/ weil sie eine beteutende Sensation in dieser Stadt macht! Ich habe schon früher berichtet, wie ungern die immense Majorität von Hamburgs Bewohnern den „Kirchentag" hier sehen mochte; indessen anständige und an ausübende Gastfreiheit gewöhnte Leute, wie wir Hamburger sind, ließ man die Herren gewähren und hörte ihre Reden und Debatten an. Nun ließ stchs aber ein Pastor Mallet aus Bremen einfallen, in einer der hiesigen Kirchen eine Rede über das israelitische Volk zu halten, die unter den Zuhörern — worunter nur ganz wenige Juden — allgemeine Entrüstung hervorrief, weil sie ein Mal über das andere vom „Fluche Gottes" redete, der auf uns hasten solle. Ja, er zog seine Jmprecationen ganz ins Concrete mit den Worten: „Ich bin hier über die Steinwege und Elbstraßen gegangen und habe da das stuchbeladene Volk gesehen u. s. w." Nun, das war doch zu arg! Man ist wohl gewöhnt, daß der Judenhaß hervortritt, wenn jüdischer Reichthum, jüdischer Einfluß, jüdisches Talent sich merklich machen, allein, daß er, und noch obendrein auf gut theologisch ins Toben geräht beim Anblick einer Anzahl armer und unbemittelter Familienväter, sorgenvoller Mütter, die ihren kargen Pfennig durch den Straßenhandel sauer verdienen, das übersteigt doch das verzeihliche Maß. . Zwei Tage darauf war nun Versöhnungstag, und da hielt unser Frankfurter eine kurze Rede über Jonahs: „Ich bin ein Jude und diene dem Gott des Himmels, welcher Land und Meer erschaffen hat," die er auf zahlreiche öffentliche und private