Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 13 (1857)
- Issue
- 12 (1857)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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20? an den Häuptling eines nahen Dorfes, wo ich über Nacht zu bleiben gedachte; aber der gastfreundliche Araber, als er von dem niedrigen Stande meiner Kasse hörte, sehnte sich nicht nach meiner Gesellschaft. Er hatte jedoch die Großmuth, mir ein Stückchen Brot und auch einen Führer nach Beit-el-Zabadonee zu geben, wo wir ganz erschöpft um 9 Uhr des Abends ankamen. Unsere Aufnahme von Scheikh Jschmael war sehr verschieden von der seiner Nachbarn. Unmittelbar nach meiner Ankunft befahl er, daß man mir, nach wahrer patriarchalischer Weise, Wasser zum Fußwaschen bringen sollte und dem Barbier, daß er mir die blutige und zerrissene Haut an den Füßen auswasche. Während diese angenehme Operation vollbracht wurde, brachten die Bedienten eine hölzerne Schüssel herein, die Brot mit zerlassener Butter bestrichen enthielt. Es war keine eigentliche Mahlzeit, welche jedem Gaumen genügt haben würde; aber wir waren ausgehungert und wurden unsirs Wirthes Gastfreundschaft vollkommen gerecht. Ich war zu schwach und erschöpft, um meine Reise am nächsten Morgen fvrtzusetzen, und deswegen blieben wir noch eine Nacht da, und dann traten wir, begleitet von einem Führer der Beni Jebar, den mir ihr Nageeb gab, unser» mühsamen Weg wieder an. Wir waren nun in einer höchst fruchtbaren Gegend Arabiens und die Aussicht war in jeder Richtung in der That großartig, schön und malerisch. Bon der höchsten Spitze aller Berge hinab bis zur tiefsten Tiefe des Waldstroms war jedes Fleckchen Boden entweder mit duftigen Bäumen oder aromatischen Kräutern und dichtbelaubten Kaffebäumen bewachsen. An einer Stelle des Absteigens konnte man daS Rauschen eines Wasserfalles hören, wie er sich über den Fels hinabstürzte, an einer andern die trillernden Töne der bunten Vögel, wenn sie ihren Flug in die durchduftete Luft nahmen. Hier ist ein grünsammtner Abhang mit Häusern bedeckt; dort schimmern auf einer sich hoch emporthürmenden Spitze die grauen Mauern der Wohnung des Häuptlings. Aber wie erhaben auch die Gegend in diesem Theile Arabiens sein mag, wie verschwenderisch die Gaben der Natur, der Mensch ist doch wild, grausam und undankbar. Am späten Mittage trennten wir uns von unserm Führer, welcher es nicht wagen durfte, die Provinz Haras, welche unter der Herrschaft des Scheikh Dai steht, zu betreten. Er war seinem Aufträge treu gewesen, indem er zu verschiedenen Malen feindliche Partheien festhielt, welche sich auf uns stürzten, so daß er wohl ein Geschenk verdiente; aber was sollte ich ihm geben? Geld? — ich hatte keins; oder Kleidung? — Mein ganzer Vorrath bestand einzig in einem groben Rocke, grobem Hemde, einem Turban und einem Gürtel, und das Alles trug ich allein; der Bursche merkte meine Verlegenheit und, um die Sache beizulcgen, schlug er kaltblütig vor, daß