Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 11 (1855)
- Issue
- 11-12 (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- – (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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197 christliche Kirche, dem diese hat die Mission zu .ihrer Sache gemacht, daher feiert sie Missionsfeste, und betet allsonntäglich in ihren öffentlichen Gebeten: „Begleite in Gnaden mit der Kraft deines heiligen Geistes die Predigt des Evangeliums unter Juden und Heiden, segne jeden dahin gerichteten Dienst deiner Knechte, und laß nach deinen großen Verheißungen das Reich deines lieben Sohnes sich also mehren und ausbreiten, daß die Zeit komme, der wir harren, wo die Fülle der Heiden eingeht, und auch Israel — zu ihm bekehrt — selig wird." Wenn demnach die Allg. Zeitung des Judenthums gegen die Mission zu Felde zieht, und sie schmäht, so schmäht sie damit ein jedes Mitglied der Kirche, vom Könige'bis zum Bettler. Aber wen hast du geschmähet und gelästert? Ueber wen hast du die Stimme erhoben? Und hebest deine Augen empor wider den Heiligen in Israel. Jes. 37, 83.' Was würden wohl die Israeliten in ihrem Lande mit solchen Fremdlingen gethan haben, die sich erdreistet hätten, Israels Institutionen zu schmähen? Oder was würden wohl unsre heutigen Juden thun, wenn sie die „politische Gewalt hätten", und ein Fremdling unter ihnen würde sich unterstehen ihre Bemühungen zur Bekehrung der Fremdlinge so zu schmähen und zu bespötteln? Wir haben oben gesehen, daß daS Judenthum lehrt, Moses habe nach göttlicher Ueberlieferung befohlen alle Menschen der Welt znr Annahme der Gebote, welche den Söhnen Noahs gegeben sind, zu zwingen, und jeder, der sie nicht annimmt, wird ernzordet — nun fragen wir: was würde wohl einem Menschen, einem Fremdling unter Israel geschehen, der sich nicht allein weigert, sich dieser Bestimmung zu unterwerfen, sondern der sich noch erfrecht öffentlich gegen dieselbe zrl schreiben, eine solche Verordnung zu bespötteln und zu lästern? Aus dem Gesagten geht demnach dies hervor, daß die Toleranz, des Vers, ein Lügen- und Trugbild ist, es ist weder in der Bibel, noch im Talmud, noch in der Allg. Ztg. d. Judenth. eine solche Toleranz zu finden. Die wirkliche jüdische Toleranz, wie sie im Talmud und in Uebereinstimmung mit demselben auch in der genannten Zeitung thatsächlich vorhanden ist, hat ihre Wurzel nicht in dm mosaischen Institutionen, sondern nur im Talmud. Die biblische Toleranz ist eben so sehr verschieden von der erheuchelten, faden, unbeschränkten Dibce Em«th 185». 14