Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 7 (1851)
- Issue
- 12 (1851)
- Date
- 1851-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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WS wir, Herr M. und ich eintraten, fanden wir 14 Juden beisammen; sie hatten gerade ihr Mittagbrod beendet und baten uns, ehe wir unsere Unterredung begannen, Dank zu sagen. Wir blieben ein und eine halbe Stunde bei ihnen, während welcher Zeit ihnen die Lehre des Christenthums in einer ruhigen Weise vorgelegt wurde, und sie machten in derselben Weise ihre Einwendungen. Der Sprecher war mit den Schriften Maimonides bekannt und argumentirte in der Weise dieses jüdischen Philosophen. Er leugnete die Persönlichkeit der Engel und das Dasein des Teufels. Die Schriftstellen, die wir vorbrachten, suchte der eine nach dem Talmud zu erklären, den er sehr hervorhob. Ich verwies ihn auf Jesaias 7, 20: „Zu derselben Zeit wird der Herr das Haupt und die Haare an Füßen abscheeren, und den Bart abnehmen durch ein gemiethetes Scheermesser, nämlich durch die, so jenseits des Wassers sind, als durch den König von Assirien," und fragte ihn, ob er wüßte, wie der Talmud dieseStelle erkläre; er antwortete: „Nein." Dann erzählte ich ihm, was der Talmud sagt. „Gott erschien dem Könige von Assyrien in der Gestalt eines alten Mannes und sagte zu ihm: Wenn du vor den Königen der Morgen- und Abendländer erscheinen wirst, und sie werden dich wegen ihrer Söhne ftagen, die du mit dir genommen hast, was wirst du ihnen dann antworten? Der König erwiderte: Ich bin deswegen in großer Furcht, sage mir was soll ich thun? Darauf sagte Gott zu ihm: Verstelle dich. Der König sagte: Wie? Gott sagte zu ihm: bringe mir eine Scheere, ich will dir das Haar verschneiden, und Niemand wird dich dann erkennen. Wo kann ich eine bekommen? fragte der König. Gott antwortete: Gehe in dies Haus, da wird man dir eine geben. Als der König in das Haus eintrat, fand er vier Engel, welche Dattelkörner zerrieben. Der König bat um eine Scheere. Sie sagten ihm, wenn er ein Maaß Dattelkörner reiben wolle, dann wollten sie ihm eine geben. Er that es; aber als er zu Gott zurück kam, war es bereits finster, und Gott sandte ihn noch einmal zurück in das Haus nach einem Lichte. Indem er das that, verbrannte er sich den Bart — und dann verschnitt ihm Gott das Haar. So wird erklärt, was der Prophet Jesaias 7,20 sagt." (Senhedrin p. 60.)