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Nahalat tsevi · 1936-04-01 · Heft 7-9 (April 1936) · p. Seite 194

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
VI (5696) 1935/36
Issue
Heft 7-9 (April 1936)
Date
1936-04-01
Page
Seite 194 (sequence 4)
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194 Weißt Du, das ist doch die Schwiegertochter der einst so vornehmen Noemie —, ja, ja, das hätte die sich auch nicht träumen lassen. Das alles merkte Boas. Dann trat er in den Kreis der Schnitter und grüßte sie: Gott mit Euch! Da mochte wohl der eine oder andere einen leisen Unterton der mahnenden Frage mit vernommen haben: Ist Gott mit Euch, wenn Ihr als Mensch zu Menschen tretet, als Mensch von anderen Menschen redet? So ward der Gruß zur Lehre. Und die Schnitter dankten für die erhaltene Lehre und grüßten: Dich segne Gott. Die anspruchslose, schlichte Worthandlung des Grußaustausches war zu einem Heiligtum der Mahnung und der Segnung geworden und wurde zum Minhag in Israel, zum beglückenden Alltagsgebrauch. Merkwürdig, es kirnen Zeiten, in denen man dieses Gebrauches lachte und Rabbi Jehuda Hanassi hielt es für notwendig, seiner Zeit, die ob des Minhag gespöttelt haben!nochte, entgegenzurufen: Denke nicht verächtlich und klein von Deiner Mutter, wenn die Runzeln des Alters sie bedecken. Man hat so viel darüber * nach gedacht, aus welchem Grunde dieses Buch Ruth am Offenbarungsfeste gelesen wird. Es dürfte erwägenswert sein, daß hier sich uns der große und weite Weg des Einflusses der Religion von der nur einmal erreichten Höhe des Sinai bis in die kleinsten Lebensäußerungen hinein erschließt. Die Kanäle dieses Stromes — sie sind im Minhag beschlossen, der seinerseits dankbar, wie auch im Gruße Boas’, immer wieder zur Gottbejahung zurückführt. Alle Normen des Religionsgebrauches vom Gruß knüpfen an diese Episode an; es gibt deren eine Fülle. Nur einer soll hier Erwähnung geschehen, weil sie uns die Bedeutung des Erstlingsfestes so recht deutlich zum Bewußtsein bringt. Der Gruß ist auch oft ein Ausdruck der Ehrfurcht; man ist bekanntlich verpflichtet, bei dem Gruß, den man einem Talmid-chochom bietet, sich zu erheben. Handwerker jedoch, in Ausübung ihres Berufes, Arbeiter bei ihrer Pflichterfüllung sind dazu nicht verpflichtet. Nur in 3 Fällen sind auch Arbeiter und Handwerker gehalten, sich grüßend zu erheben. Dann zunächst, wenn ein Kind vorüber getragen wird, das in den Bund Abrahams auf genommen werden soll; es ist der Gruß der religiösen Gesamtheit, die ein neues Glied in ihrer Mitte aufnimmt, ein Gruß, dem sich keiner entziehen darf. Gemeinschaftserkenntnis formt diesen Gruß.

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