Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- IV (5694) 1933/34
- Issue
- Heft 7-8 (April 1934)
- Date
- 1934-04-01
- Page
- Seite 172 (sequence 10)
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sehen Organisation die Möglichkeit eines solchen thaurolosen jüdischen Lebens anerkannt hat. Für die Schwäche des Misrachi ist es ungemein charakteristisch, daß in unserem Lande, wenn man das wirtschaftliche und kulturelle Leben als Ganzes betrachtet, im Grunde der Gegensatz zwischen Misrachi und allgemeinem Zionismus gar nicht schärfer hervortritt. Der Streit, der das gesamte jüdische öffentliche Leben dort erfüllt, das ist der Streit zwischen der Histadruth Hoauwdim und den Revisionisten, beide ganz und gar zugehörig der zionistischen Organisation. Auf dem Boden des Zionismus hat sich dieser Streit, dieser Kampf zwischen Histadruth Hoauwdim, der sozialistischmarxistischen Arbeiterorganisation einerseits, und den Revisionisten andererseits entwickelt. Der Misrachi selber nimmt in diesem Streit höchstbezeichnender Weise eine eigene Position gar nicht ein. Die älteren Misrachisten gehören zum größeren Teil innerlich zu den Revisionisten, die jüngeren Misrachisten neigen sehr stark zu der Histadruth-Hoauwdim. Diese Histadruth-Hoauwdim, diese sozialistische jüdische Arbeiterorganisation, sie ist es, die gegenwärtig im Lande die größte Macht in Händen bat. Sie umfaßt etwa 45 000 organisierte Arbeiter. Ihre Verdienste sind an sich nicht gering zu veranschlagen. Sie hat sehr viel dazu beigetragen, das Bewußtsein im Lande wach zu halten, daß es Pflicht jedes jüdischen Arbeitgebers sei, in erster Reihe jüdische Arbeitnehmer zu beschäftigen, und sie hat außerordentlich viel dazu beigetragen, zu verhindern, daß nicht etwa der Lebensstandard des jüdischen Arbeiters auf den unsäglich niedrigen Standard des arabischen Arbeiters heruntersirke. Aber die Weltanschauung der Histadruth- Hoauwdim, das ist die Weltanschauung, die unmittelbar herrührt von Karl Marx. Das bedeutet, daß diese Weltanschauung ihrem ganzen inneren Wesen nach areligiös, ja geradezu antireligiös ist. Eine ungeheuere kulturelle Arbeit wird von ihr geleistet. Aber diese kulturelle Arbeit ist nun ganz und gar in einem Thora-fremden Sinne, und man darf wohl sagen, der junge Mensch, der in diese Histadruth-Hoauwdim eintritt, wenn er kein Löwe ist an Stärke, wird er zwangsläufig der Thauroh verloren gehen müssen. Unter den Einwirkungen dieser H. H. wächst in unserem Lande eine Jugend heran, die zum Teil gar nicht mehr an die Quelle der Thauroh geführt worden ist, wächst eine Jugend heran, die, etwa, wenn sie die Werke von Bialik liest, die Andeutungen, die darin enthalten sind, die Bezug haben auf Mischnah und Talmud, gar nicht mehr versteht, weil sie von all dem niemals etwas erfahren