Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- IV (5694) 1933/34
- Issue
- Heft 7-8 (April 1934)
- Date
- 1934-04-01
- Page
- Seite 168 (sequence 6)
- Belongs to
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168 modernen Einrichtungen, und unter Umständen dicht daneben verfallene Hütten von Arabern. Hier sieht man aber auch Arbeiter auf der einen Seite, arabische Arbeiter, die zu einem Lohn arbeiten, dessen Geringfügigkeit der europäische Arbeiter sich gar nicht auszudenken vermag, und dicht neben der arabischen Arbeiterklasse befindet sich die jüdische Arbeiterklasse, organisiert nach den modernsten Grundsätzen der Organisation und beseelt mit den modernsten Gedanken des Sozialismus. Hier sieht man die ganze Gegensätzlichheit auch im Recht des Landes. Neben dem türkischen Recht, der Mejelle, mit ihren Institutionen, die uns so hinterwäldlieh wie nur möglich Vorkommen, ganz unvermittelt daneben und darüber errichtet das System des englischen Rechtes mit all seinen modernen und modernsten Institutionen. Altes und neues ist in diesem Lande heute, so stürmisch war die Entwicklung, noch ganz unvermittelt beisammen, das eine neben dem anderen. Nur eines scheint festzustehen. Eine neue Zeit hat unwiderruflich für dieses Land begonnen. Die Öde ist gebrochen, das Land wird dem Leben wiedergewonnen. Ich stehe nicht an zu erklären, daß mir dieser Anblick des Landes, das dem Leben Tag für Tag mehr und mehr gewonnen wird, der größte und nachhaltigste Eindruck gewesen ist, den ich von ihm empfangen habe. Wenn man nämlich daran glaubt, davon überzeugt ist, daß Erez Jisroel heute, in unseren Tagen, in eine neue historische Phase eingetreten ist, deren Tragweite sich im Grunde genommen gar nicht überschauen läßt, wenn man dieser Überzeugung ist, dann ergeben sich daraus für uns alle, dann ergeben sich daraus aber namentlich für die Gesetzestreuen, für die Weltorthodoxie, die unerhörtesten Konsequenzen. Wie ist denn dieses neue Leben entstanden? Wir alle wissen, wie vor Jahrzehnten plötzlich die zionistische Idee verkündet wurde, von Männern, die zunächst ganz und gar dem jüdischen Volke entfremdet waren, und wir alle wissen, daß diese Idee von den einen verlacht, von den anderen bekämpft wurde, daß diese Idee aber ,von der Vorsehung eine gewisse Bestätigung erfahren hat. Denn also geht es ja letzten Endes bei den geschichtlichen Vorgängen überhaupt zu. Irgendwo hat ein Mensch eine Idee, und für diese Idee hat er einen Plan, und alle Wahrscheinlichkeiten sprechen gegen ihn. Ob er in der Geschichte fortleben wird als ein Narr oder ob er in der Geschichte fortleben wird als eine historische Persönlichkeit, an die sich endlose Konsequenzen knüpfen, dieses Entweder-Oder liegt nicht mehr bei der Persönlichkeit selber, sondern die Ent-