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Nahalat tsevi · 1931-01-01 · Heft 3 (Januar 1931) · p. Seite 89

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
I (5691) 1930/31
Issue
Heft 3 (Januar 1931)
Date
1931-01-01
Page
Seite 89 (sequence 19)
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89 Kehilla und sein Volk verließ. Wodurch unterscheidet sich unsere Zeit von seiner Zeit? Das entscheidende Erlebnis un serer Tage ist der Weltkrieg und all das, was nach ihm kam. Wir haben in den letzten 16 Jahren etwas gelernt, was den Menschen, die zwischen 1870 und 1914 lebten, nur aus der Ueberlieferung bekannt war: Wir haben gelernt, was Qeschichte ist. Wir haben in diesen 16 Jahren Dinge erlebt und erleben sie noch heute unausgesetzt Tag für Tag, die der vorhergehenden Generation nur aus Geschichtsbüchern bekannt waren. Die haben Geschichte gelesen, wir haben Geschichte erlebt und erleben sie noch heute unausgesetzt Tag für Tag. Und darum möchte ich geradezu behaupten, daß die geistige und politische Botschaft Rabbiner Hirschs, die von historischen Erlebnissen und Erkenntnissen geradezu durchtränkt war, unserer Generation näher steht und mehr zu sagen hat als der, die der unsrigen unmittelbar vorausgegangen ist. Versuchen wir's doch einmal, uns in die Jugendzeit Rabbiner Hirschs zurückzuversetzen. Das große Erlebnis seiner Jugend waren die politischen, sozialen und kulturellen Nach- Wirkungen der französischen Revolution und der napoleonisehen Zeit. Wer seine Rede kennt, die er 50 Jahre nach der Leipziger Völkerschlacht im Beth Hakneses unserer Adas Jeschurun gehalten hat, eine Rede, die man nicht lesen kann, ohne sich vom Hauche des Gottes der Geschichte angeweht zu fühlen, eine Rede, die mit unerhörter Leidenschaft und Ergriffenheit ״eine von jenen Stunden“ gefeiert hat, ״in welchen Gott einzieht in die Geschichte“, wer diese Rede kennt, — eine politische Mussar-Rede, die das Walten des ewigen Rechtes im Völkerleben besingt — צדק לפניו יהלוך Recht geht vor seinem Angesichte her, wo das Recht siegreich einzieht in die Zeiten, da kannst du wissen: וישם לדרך פעמיו, da ist der Eintritt der Gotteswege auf Erden — wer diese wundervolle Rede Rabbiner Hirschs kennt, der weiß, daß die Ehrfurcht vor dem Walten Gottes in der Geschichte ׳und der Glaube an den endlichen Sieg des Rechtes auf Erden das Grundgefühl seines Innenlebens und die alles beherrschende Richtlinie seiner Botschaft war. Schulter an Schulter mit dem deutschen Bürgertum haben jm vorigen Jahrhundert Deutschlands Juden für den Sieg des

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