Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 2 (Dezember 1930)
- Date
- 1930-12-01
- Page
- Seite 54 (sequence 24)
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54 nahm für diese thorafremde Organisation die ganze Würde einer jüdischen Gesamtkehillah in Anspruch, forderte, daß der palästinensische Staat ausschließlich sie öffentlich-rechtlich als das palästinensische Judentum anerkenne, und verwies die Thoraherrschaft auf das klägliche Benefiz des Austritts, auf die Flucht in die — Rechtlosigkeit. Ein von mir im Auftrag der agudistischen Organisation ausgearbeiteter Gegenentwurf, der die Einheit des palästinensischen Judentums retten, die Freiheit der Einzelnen unangetastet lassen, die Gesamtheit als solche aber der Herrschaft der Thora unterordnen wollte, fand nicht einmal die Unterstützung des — Misrachi. ln einer Besprechung, die in London mit zionistischen Führern stattfand, erklärte Weizmann, damals auf der Höhe seiner Erfolge stehend, mit bedauernden Worten, die Herrschaft der Thora komme für das Nationalheim leider nicht in Betracht, eine solche Forderung sei restlos — veraltet. Damit war das Nationalheim zum Nationalfeind der Thora geworden, das Band zwischen Nation und Thora vom Zionismus endgültig zerschnitten. Der Thora außerhalb des unheimlichen Nationalheims eine öffentlich-rechtlich anerkannte Stätte in Palästina zu sichern, galt mein Besuch bei Herrn Bentwich. Liebenswürdig knüpfte mein Wirt die Unterhaltung an die gerade damals erschienene englische Uebersetzung rneiner Schrift über das Nationalheim an, und es entwickelte sich alsbald eine lebhafte Erörterung über das Wesen der jüdischen Nation, theoretisch zwar zunächst, aber mehr und mehr dem großen aktuellen Thema sich nähernd. Ich wies darauf hin, daß nur die Thora den geschichtlichen Sinn und das geschichtliche Schicksal des jüdischen Volkes bilde, das jüdische Volk ohne die Thora jeder geschichtlichen Existenzberechtigung entbehre, das Nationalheim ohne die Herrschaft der Thora im besten Falle zur Entwicklung eines höchst uninteressanten neuen — Balkanvolkes führe, das mit der geschichtlichen jüdischen Nation nur noch den Namen gemeinsam habe, daß ich ihn bäte, mir zu helfen, der Thora die Herrschaft innerhalb oder außerhalb des Nationalheims zu sichern, weil alle unsere Propheten die Unwahrheit gesprochen hätten, wenn nicht die Restauration des jüdischen Volkes in Palästina ohne gleichzeitige Restauration der Thora zu einer — Katastrophe führe. Nicht nur die Sorge um die Thora, sondern auch die Sorge um das Nationalheim habe mich nach