Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1922)
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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— 20 — Was die praktischen Fragen anbetrifft, so wurde zunächst die Einsetzung* einer Kommission für Jugendfragen beschlossen. Dieser wurde auch ein Antrag „als Material überwiesen", in Orten, wo es keine Iiis gibt, auch andere, also neutrale Jugendvereine zu unterstützen. Darin> daß die Mehrheit der Versammlung gegen diesen Antrag war, kann wohl ein Zweifel nicht bestehen. Bei der Beratung der Richtlinien für die Gemeindepolitik waren es vor allem drei Punkte, bei denen sich Meinungsverschiedenheiten zeigten: die Frage der Stellung der Rabbiner im Gemeindevorstand, die des Ausländerwahlrechts und die Schulfrage. Die erste wurde auf den Wunsch eines großen Teiles der Rabbiner selbst dahin entschieden, daß sie nur beratende Stimme im Vorstand haben sollen. Bei den beiden anderen ist die Entscheidung sehr wesentlich von den Jugendvereinen beeinflußt worden. In der Ausländerfrage dahin, daß die Karenzfrist für Ausländer nicht länger als ein Jahr betragen soll, in der Schulfrage dahin, daß die Ablehnung eines Systems jüdische Schulen auch für die Volksschulen nicht eingeschränkt wurde. In der Ausländerfrage haben die Iiis geschlossen gestimmt, in der Schulfrage fast geschlossen, nämlich nur mit Ausnahme des Iii Münster. Schließlich sei noch mitgeteilt, daß die einen Tag später tagende liberale Rabbiner-Versammlung eine Kommission für die Reform des. Gebetbuchs eingesetzt hat, die aus den Herren Dr. Seligmann, Rieger, Fuchs undNBaeck besteht. Zum Schluß noch ein Wort der Kritik: Es ist sehr bedauerlich, daß das Interesse der Versammlung für praktische Fragen so gering war. In dieser weit verbreiteten Interesselosigkeit liegt eine große, Gefahr. So unsympathisch es uns als rein religiös gerichteten Juden sein mag, so müssen wir doch den Fragen der Organisation und denen der Gemeindepolitik etwas mehr Aufmerksamkeit und Interesse zuwenden, wenn wir nicht auf lange Zeit an die Wand gedrückt werden wollen. Die Abneigung dagegen muß im Interesse der Sache unbedingt überwunden werden. Daran müssen auch die Iiis mitarbeiten. Es muß aber auch gerade von Seiten der Jugendvereine vom Liberalen Verein und von der Vereinigung gefordert werden, daß sie etwas mehr als bisher dafür tun, um die Voraussetzungen für dieses Interesse zu schaffen. Dazu gehört Stellungnahme zu den Angelegenheiten des jüdischen Lebens und etwas mehr Fühlung nehmen mit der großen Zahl der Anhänger. An dem Verständnis für beide Erfordernisse ließ man es während und nach der Hauptversammlung vielfach fehlen. Als besonders krasses Beispiel möchte ich den offiziellen Bericht über die Haupt verkam mlung in der Jüdisch-liberalen Zeitung erwähnen. Will er Interesse