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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1921-11-01 · Heft 11-12 (November 1921) · p. Seite 236

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1921
Issue
Heft 11-12 (November 1921)
Date
1921-11-01
Page
Seite 236 (sequence 28)
Language
German
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Verbands- und Vereinsnachrichten. Zur Gründung eines Jüdisch-Liberalen Vereins in Schweidnitz. Mitte November wurde in Schweidnitz ein Liberaler Verein gegründet, am ^27. November fand daselbst die Eröffnungsversammlung statt. GemeinderaJ)biner Dr. Vogelstein- Breslau sprach über „Zwecke und Zieje des Liberalismus'4. Der Redner, wohl wissend, daß die Mehrzahl seiner Zuhörer unserem Wollen noch recht fremd gegenübersteht, legte in klarer Form die Grundzüge und -Ideen unserer Bewegung dar. Er ging davon aus, daß unser Judentum aus der tiefsten Tiefe unserer Seele quillt, daß es sich nicht an äußere Formen bindet, daß es, dem .Wesen jedes Einzelnen entsprechend, die Wahrheit der Persönlichkeit predigt. Der Liberalismus erkennt auf religiösem Gebiete voll und ganz das Prinzip der Entwicklung an, er sieht in der ganzen Geschichte des Judentums diese Entwicklung bestätigt und nimmt sich dalier auch die Berechtigung, das Judentum unserer Zeit dem miodernen Empfinden und Denken anzupassen. Der Redner gab in großen Zügen einen Überblick über die Geschichte des Judentums, wies nach, daß es zu fast jeder Zeit im Judentum neben einem starren Formenglauben auch frisches, neu aufbauendes Leben gab und führte als Beispiele einerseits die Priesterreligion in all ihrer Starrheit, die Sadduzäer mit ihrem Buchstabenglauben an, um diesen andererseits die Propheten und die Pharisäer gegenüberzustellen, die jeweilig zur selben Zeit wirkten. Entwicklung überall! Entwicklung vom Ghettojudentum über Moses Mendelsohn durch die Zeit des wüstesten Rationalismus bis zu unserer Zeit. Unsere Generation und unser liberales Judentum reißt nun nicht das Überkommene ohne Prüfung -nieder, um dafür nichts oder Unorganisches aufzubauen, sondern nur was *für das Empfinden, das seelische Bedürfnis überlebt, gestrig, äußerlich erscheint, das will der Liberalismus absondern; aufbauen will er, indem er in uns aHen, in Familie, Gemeinde, Schule das jüdische Bewußtsein verinnerlicht, stärkt. Der Liberalismus wil\ uns das Empfinden geben, daß das, was ewig ist im Judientum, das, was uns als Idee alles wahren Menschentums an keiner Stelle so entgegenquillt, als eben im Judentum das Judentum all der Jahrhunderte war, und das Judentum der Zukunft sein wird. Und diese Idee, diesen Geist und nicht das Wort der Bibel, in die weitesten Kreise unserer Mitmenschen zu tragen, ist Zweck und Ziel des Liberalismus. Nicht Subtraktion von der Orthodoxie ist

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