Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 8 (August 1921)
- Date
- 1921-08-01
- Page
- Seite 158 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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- 158 — sere bisherigen Erfahrungen sagen uns, daß wir Recht damit getan haben. Unsere Kinder stehen in einem wirklich natürlichen, gesunden Verhältnis zu einander. Gewiß gibt es auch in diesem Punkte Schwierigkeiten zu überwinden. Natürlich lieben es die Jungen, ich beim Spiel zu raufen oder Ringkämpfe zu veranstalten, Dinge, die dem) Mädchen weit weniger liegen. Aber allmählich gewöhnen sich die Knaben daran, etwas Rücksicht auf die Mädchen zu nehmen, und andrerseits verlieren die Mädels ein wenig von ihrer Zimperlichkeit. Unsere Tätigkeit teilt sich nun in zwei Teile: in Ausflüge und Spielnachmittage einerseits und in Heimabende andrerseits. Die positiv jüdische Arbeit wird natürlich auf den Heimabenden geleistet, wo wir gemeinsam etwas lesen oder uns über irgendeine brennende Frage aussprechen. Hier hat sich aber sofort die Schwierigkeit gezeigt, einen gemeinsamen Heimabend für n—12 jährige und für 14—15 jährige zu veranstalten. So haben wir denn bald die Heimabende nach dem Alter getrennt. Feste feiern wir natürlich zusammen. Besonders nett war die Pessachfeier, zu deren Gelingen die Kinder selbst recht viel beigetragen haben. Auch einen Freitagabend haben wir beim Schein der Sabbathkerzen mit einander gefeiert. Die größeren auf einem Heimabend positiv jüdisch zu beschäftigen ist durchaus nicht schwer. Da kann •man Bibel lesen oder irgendeinen Abschnitt aus der jüdischen Geschichte betrachten oder sich über religiöse Probleme unterhalten. So haben wir uns in den Tagten, in denen bei uns im Ilf die Sabbathfrage so aktuell war, auch auf zwei Heimabenden mit dieser Frage beschäftigt. Zunächst haben wir nur über die Sabbathidee an sich gesprochen und im Anschluß daran einen Aufsatz von Dr. Nobel gelesen; das zweite Mal haben wir dann recht eifrig über die Frage Sonnabend¬ oder Sonntagsgottesdienst diskutiert. So leicht die positive Arbeit mit den Älteren ist, so schwer ist sie mit den Kleinen. Wir haben zunächst versucht, ihnen etwas aus dem jüdischen Leben, jüdische Sagen und Legenden zu erzählen oder vorzulesen. Aber wir haben bald gemerkt, daß sich die Kinder nicht so recht wohl dabei fühlen. Sie wollen lieber spielen und rumtollen, als sittsam auf ihren Stühlen sitzen und dem Erzähler zuhören. Und dennoch möchte ich auch auf dieses Alter nicht verzichten. Wenn wir diese Kleinen auch nicht von heut auf morgen zu liberalen Juden erziehen können, wenn im Verkehr mit ihnen das Wort „liberal" zunächst überhaupt nicht zu fallen braucht, so schaffen wir uns doch die Möglichkeit, langsam im jüdisch-liberalen Sinn auf sie zu wirken. Ganz unmerklich und allmählich müssen wir sie zum liberalen Judentum führen. Ich bin sicher, im Verlauf von 2—3 Jahren haben wir uns in diesen Kindern einen Nach-