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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1921-02-01 · Heft 2 (Februar 1921) · p. Seite 39

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1921
Issue
Heft 2 (Februar 1921)
Date
1921-02-01
Page
Seite 39 (sequence 15)
Language
German
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— 39 — einen den heiligen Räumen der Leipziger Loge würdigen Verlauf nahm-. Dieser Abend brachte entschieden den Erfolg, daß die Idee der Jüdisch-liberalen Jugendvereine vielen der älteren Herrschaften nahe gebracht wurde, und daß demzufolge die hiesige Ortsgruppe auf die Unterstützung der Leipziger Gemeinde rechnen darf. I. A.: Ernst Heilbrunn. Luckenwalde. Am 18. Dezember referierte in Luckenwalde Herr stud. ing. Woyda über „Die Ziele der jüdisch-liberalen Jugendvereine". Er zog die Grenze gegen die Orthodoxie, die durch ihr ängstliches Festhalten an der Tradition im Widerspruch zu den modernen Zeitläuften stehe. Der Zionismus wolle der Judenheit eine nationale Heimstätte schaffen, könne aber nur einem Fünftel der gesamten Judenheit ein eigenes Heim in Palästina geben. Die Anerkennung der jüdischen Religion als Staatsreligion berge eine außerordentliche Gefahr für die Juden in der Diaspora in sich. Aber die deutschen Juden sind so fest mit deutscher Kultur verwachsen, daß eine Trennung zwischen Deutschen und Juden schwer denkbar sei; ohne Kant kein Hermann Cohen und' ohne Marx und Lassalle keine deutsche Sozialdemokratie. Der Redner ging dann ausführlich auf die neutralen Jugendbünde ein. „Neutral sein heißt, sich selbst ausschalten". Er hob hervor, daß Neutralität eine Stellungnahme zu aktuellen Fragen verbiete. Das Wirken der neutralen Vereine sei zur Unfruchtbarkeit verurteilt, da diese in wichtigen Fragen sich des Kompromisses bedienen müßten. Den anregenden Ausführungen des Referenten folgte eine Debatte von 2 % stündiger Dauer. Die Diskussion, in die Herr Woyda verschiedentlich eingriff, drehte sich um den Gegensatz zwischen liberalen und neutralen Jugendvereinigungen. Es wurde von den Befürwortern des neutralen Jugendbundes schließlich zugegeben, daß wir doch eine bestimmte Richtung einschlagen müßten, aber man wolle erst wägen und dann wagen. Die Freunde eines neutralen Vereins stellten den Antrag, einen jüdischen Jugendbund zu gründen, der sich keiner Organisation anschließen solle. In seinem Schlußwort gab Herr Woyda der Hoffnung Ausdruck, daß der projektierte neutrale Verein, der sich in seiner überwiegenden Mehrheit aus liberalen Elementen zusammensetzen würde, bald den Weg zu den jüdisch-liberalen Jugendvereinen finden würde. In vorgerückter Abendstunde kam es zu einer Abstimmung, bei der die Freunde des jüdischen Jugendbundes eine geringe Zufallsmehrheit erlangten. Aber dieser Phyrrussieg der Neutralen wird für die Anhänger des jüdisch-liberalen Jugendvereins nur ein neuer Ansporn sein, ihre Agitation tortzusetzen, bis das ersehnte Ziel erreicht ist!

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