Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 2 (Februar 1921)
- Date
- 1921-02-01
- Page
- Seite 35 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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— 35 — Ansicht, daß die durch gemeinsame Arbeit geschaffene enge Verbindung der berufenen Führer mit der organisierten liberalen Jugend von höchster Bedeutung für die Zukunft unserer Bewegung ist. Die uns zu größter Dankbarkeit verpflichtende Tätigkeit unserer liberalen Rabbiner dürfte in der Hauptsache darin bestehen, für die Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Artikel beizusteuern, Vorträge in den bestehenden Jugendvereinen zu halten, kurze Propagandaschriften abzufassen und durch Gründung neuer Jugendvereine für die Ausbreitung unserer Organisation Sorge zu tragen. Die hier Versammelten bringen daher die Bitte zum Ausdruck, baldigst eine Sitzung des liberalen Rabbinerverbandes abzuhalten, bei der Mittel und Wege gefunden werden, um, möglichst alle Mitglieder des Verbandes zu tatkräftiger Förderung der liberalen Jugendbewegung zu veranlassen. —■ II. Die Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Jugendvereine Deutschlands fordert eine gründliche Reform des Religionsunterrichts in pädagogischer und organisatorischer Hinsicht, sowie eine verstärkte Inspektion des Religionsunterrichts an den öffentlichen Schulen. Sie hält es für erwünscht, daß alle deutschen Staatsbürger, gleichviel ob Juden oder Nichtjuden, eine gemeinsame Schulbildung genießen. Sie erwartet von allen liberalen Repräsentanten und Gemeindemitgliedern, daß sie gegen die Errichtung jüdischer Schulen und gegen die Unterstützung neu gegründeter Privatschulen eintreten. — III. Die jüdisch-liberale Jugend lehnt es ab, in Palästina ein kulturelles Zentrum für die Gesamtjudenheit zu schaffen, Palästina, mit dem sie sich wie jeder Jude durch religiöshistorische Bande verknüpft fühlt, hat in der Gegenwart für sie praktische Bedeutung nur als Kolonisationsland neben anderen, für Juden, die sich in ihren jetzigen Heimatländern nicht assimilieren wollen oder können. Auf dieser Grundlage sind wir bereit, an dem Kolonisationswerk mitzuwirken. In der Mittagspause vereinten sich die Delegierten als Gäste des Liegnitzer Iii zu einem Essen in der Silesia-Loge, das in jeder Hinsicht einen ebenso schönen als anregenden Verlauf nahm. Am Nachmittag fand eine öffentliche Versammlung im Hotel „Rautenkranz" statt, die von den Mitgliedern der jüdischen Gemeinde Liegnitz überaus zahlreich besucht war. Herr Gemeinderabbiner Dr. Goldmann-Leipzig sprach unter lebhaftem Beifall über das Thema „Kritischer Uberblick über die jüdische Jugendbewegung der Gegenwart." Der Liegnitzer Iii hatte dank seiner vortrefflichen Leitung alle Vorbereitungen für die Tagung und das Wohlbefinden, der Delegierten in so ausgezeichneter Weise getroffen, daß jeder der Teilnehmer mit größter Befriedigung und herzlichem Dank an diese Zusammenkunft zurückdenken wird.