Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 1 (Januar 1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Jugendvereine Deutschlands. Nr. 1 1 Januar 1921 1 Jahrg. III Inhalt: Israel stirbt nicht« wenn die Jugend lebt — strebt. — Cäsar Seligmann. — Antisemitismus — Zionismus — deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens im Urteile eines Christen und eines Juden. — Verbandsbibliothelc der Iii Deutschlands. — Anfrage. — Fragekasten. — Spenderliste. — Verbands- und Vereinsnachrichten. Israel stirbt nicht, wenn die Jugend lebt — strebt. Wir wollen doch wieder zu geordneten Zuständen gelangen, wir sprechen vom Wiederaufbau in Staat und Gemeinde, besonders in letzterer, ja im kleinsten Kreise, dem Familienkreise: er ist die Grundlage alles Großen. Gälte es nur, ein Haus von Grund auf neu zu errichten, so wäre nur das Positive zu erörtern. Mit tiefstem Bedauern ist aber gesagt worden, daß Negatives der Kritik zu unterziehen ist, denn das Negative ist das Zerstörte. Dieses gilt eS(, mit anderen Mitteln zu verbessern, nicht etwa nur in den Urzustand zu versetzen. Denn es stürzte doch, weil die Pfeiler brüchig geworden waren, sie vermochten den Bau, der Jahr um Jahr Anbauten erhielt, nicht ferner zu tragen. Klarer gesagt: Das Familienleben ist erschüttert. Aus allgemeinen und besonderen Ursachen! Oder, wenn man will: aus einem einzigen, denn sie waren voneinander abhängig. Aus Eurem Herzen ist der religiöse Sinn gewichen, weil die Umwelt verfürTrte. Schnell erzielter Gewinn, Schieberei und unverdienter Besitz schufen die Willenlosigkeit in der gesamten Lebensführung. Die Alten schlugen ihr Heim in öffentlichen Lokalen auf, sahen ihre Kinder nur bei den Mahlzeiten und überließen sie sich selbst. Und wie die Alten sungen — zwitscherten bald die Jungen. Die Achtung vor den Eltern, die gepriesene Ehrfurcht, ein Hauptgrund jüdischen Familiensinnes, ihr Halt, ihr Erfolg, ihre Stütze, ihre Kraft zur Erhaltung des Judentums — schwand dahin. Und die Gotteshäuser leerten sichj, das Interesse für alles Jüdische lebt nur noch in der Geschichte. Wir Erzieher aber standen vor der bangen Frage: Was nun? Wenn je das Wort: „Wer die Jugend hat, hat die Zukunft" einen Sinn hatte, dann hat es ihn jetzt oder nie. Mit den Alten wollen wir nicht mehr rechten, doch an Euch appellieren,