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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1920-03-01 · Heft 4 (März 1920) · p. Seite 77

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1920
Issue
Heft 4 (März 1920)
Date
1920-03-01
Page
Seite 77 (sequence 17)
Language
German
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— 77 den Arnos von seinem eigentlichen Berufe fort. Im Reiche Israel herrschte damals 800 Jahre vor der gewöhnlichen Zeitrechnung Jerobeam II, der durch glückliche Kriege die Macht und das Ansehen des Staates wesentlich gehoben hat. Aber Hand in Hand damit ging Uebermut, Sorglosigkeit, Götzendienst und Ungerechtigkeit. Gegen diese Fehler erhob der Prophet seine warnende Stimme, indem er hinwies auf die göttliche Vergeltung, die sich in der Zerstörung des Reiches zeigen werde. Mit einem bewundernswerten Scharfblick erkannte er bereits damals die am politischen Horizont aufsteigende Gefahr seitens der assyrischen Weltmacht, die alle die kleinen Reiche in Vorderasien zertrümmern werde. Sein geistiger Gesichtskreis erhob sich weit über den seiner Zeitgenossen. Das Volk sowohl wie die Großen waren in dem Gedanken befangen, daß das israelitische Volkstum nicht untergehen könne, und daß der Schutz Gottes ihnen sicher sei, wenn nur recht zahlreiche Opfer dargebracht würden. Gegen diesen doppelten Wahn wendet sich der Prophet Arnos, indem er den Reigen der Propheten eröffnet, die die Moral der Werkheiligkeit gegenüberstellen. Er sagt: „Wenn ihr mir auch Ganzopfer und Speiseopfer bringt, so nehme ich sie nicht gnädig auf, und das Ma.hlopfer unserer Masttiere sehe ich nicht an. Schaffe fort von mir Deine vielen Lieder,* das Gespiel Deiner Harfen will ich nicht hören. Aber es flute wie ein Strom das Recht einher und die Gerechtigkeit wie ein reißender Bach." Auch den andern Glauben, durch den das Volk sein Gewissen einschläferte, nämlich den, daß keine Macht Israel besiegen könne, weil es ja von Gott auserwählt sei, bekämpft der Prophet. Er sagt: „Ja, Euch habe ich erkoren von allen Geschlechtern der Erde, darum will ich an Euch heimsuchen alle Eure Sünden." In demselben Sinne, nur etwas schärfer zugespitzt und von einem; andern Gesichtspunkte aus beleuchtet, spricht sich der Prophet mit den Worten aus: „Ihr seid mir nicht mehr wie die Söhne Aethiopiens, ihr Israeliten, spricht der Herr; Israel habe ich herausgeführt aus Aegypten und die Philister von Kaftor und Aram von Kir". Das soll heißen: Hat Gott euch etwa allein seine Fürsorge zugewandt und nicht auch den übrigen Völkern? Der Prophet will das besondere Verhältnis Gottes zu Israel nicht etwa in Abrede stellen. Er macht dasselbe nur aus einem natürlichen und notwendigen zu einem bedingten und moralischen! Der Vorzug Israels schließt eine besondere Verantwortung ein und legt besondere Pflichten auf. Daher kündigt der Prophet dem Volke die Vernichtung an, wenn es Gottes heiligen Willen nicht vollführe. Jedoch nur das, was schlecht und ver-

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