Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1919
- Issue
- Heft 1 (April 1919)
- Date
- 1919-04-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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der em ein schaff jüdisch »liberaler end^mitie Deutschlands « Nr. 1. April 1919. I. Jahrgang. Zum Geleit! Von Recktsaawalt Heinrich Stern, Berlin. Zum ersten Male tritt die in der Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Jugendvereinc geeinte jüdische Jugend mit eigenen Mitteilungen an ihre Freunde heran. Ein kurzes Wort der Bcgrüssung stehe an der Spitze unsere* kleinen Blattes! Es hat Zeiten gegeben, da man die Begründung jüdisch-liberaler jugendvereine für überflüssig und schädlich hielt. Für überflüssig; denn man hielt die Interessen der jüdischen Jugend für ausreichend vertreten in den neutralen Jugendvereinen und die des liberalen Judentums in den Ortsgruppen der grossen liberalen Vereinigung. Für schädlich; denn jede neue „Parteigründung" galt als Gefährdung der über alles hochgehaltenen „Einigkeit in der Gemeinde" und als Keil, getrieben in die notwendige „geschlossene Einheitsfront des Judentums". Diese bedenklichen und ängstlichen Seelen — es sind und und waren leider gerade meistens viel sogenannte Liberale unter ihnen — verkennen die Sachlage und verkennen uns. Neutralität mag gut sein für lebensreife Menschen, die in ihrer eigenen Ansicht gefestigt und anderen Meinungen gegenüber objektiv genug geworden sind, um einen verständigen Ausgleich der Gesinnungen vertreten zu können. Es ist das Bedürfnis und das Vorrecht der Jugend, in Weltanschauungsfragen in fester Geschlossenheit, ja sogar in gewisser Einseitigkeit sich ihren Weg zu wählen und die gewählte Ueberzeugung zu verteidigen und werbend auszubreiten. Neutralität mag denkbar sein in Zeiten stillausgeglichen Dahinlebens; wir aber stehen in einer Zeit mächtigster Gegensätze und tiefgehender Entscheidungen. Wer da nicht seinen Platz mit Bestimmtheit wählt und be hauptet, wird zerdrückt. Nationaljudentum und Orthodoxie haben ihre Jugend organisiert, man wird uns Liberalen nicht zumuten dürfen, eine zusammenhanglose Masse von Einzelnen zu bleiben. Die ängstlichen Hüter der „Einigkeit um jeden Preis" dürfte... . wissen, dass auch ohne uns Einigkeit im Judentum nur noch da vorhanden ist, wo die differenz regiert. Wo jüdische Massen innerlich jüdischen Fragen näher getreten sind, haben sich die Gegensätze der Weltanschauung offenbart. Nicht wir haben diese Gegensätze geschaffen, sondern diese Gegensätze schaffen uns. Vor allem aber eins: wenn wir die Wahl haben zwischen einem ruhigen Dahindämmern, das ängstlich dem Durchdenken der wichtigsten Lebensfragen und der entschlossenen Entscheidung hierüber um des lieben Friedens willen aus dem Wege geht, und zwischen funkensprühendem Reiben der Geister, aus dem die lebenspendende Flamme hervorbricht, so wird uns die Wahl nicht zweifelhaft sein. Wenn wir die Wahl haben zwischen dem schönen Schäferidyll*der einigen Gemeinde, in der in Wirklichkeit jedes Vorwärtsstreben erstorben ist, und zwischen dem Bi{d des aufgewühlten Meeres, das zwar Schlamm und Schlacke^herauswirft, dem aber der Sturm auch die köstlichen Perlen entreisst, so kann uns die Wahl nicht schwer fallen. WÄnn wir die Wahl haben zwischen einem Judentum, das vor lauter Einigkeitsbestrebungen abstirbt und einem Judentum, das in 3 kraftvollen Aesten weiterblüht — und lebt, so ist unsere Wahl getroffen. Im Uebrigen, schon unser Name besagt es, wollen wir arbeiten und nicht kämpfen um des Kampfes willen. Wir wollen unsere jungen Jluden in das alte Heiligtum einführen, v