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Palästina-Nachrichten · 1936-02-28 · Heft 3 (29.2.1936) · p. Seite 4

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Journal
Palästina-Nachrichten
Volume
3 (1936)
Issue
Heft 3 (29.2.1936)
Date
1936-02-28
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Reform in Geld* und Kreditwesen Mängel des Kreditsystems Die palästinische Mandatsregierung ist gegenwärtig mit einer Reform des Bankwesens beschäftigt, für die eigens ein Bankfachmann aus London nach Palästina berufen wurde. Die erste gesetzliche Maßnahme bestand in dem Erlaß eines Gesetzentwurfs, durch den eine stärkere Aufsicht über das Bankwesen ermöglicht werden soll. In diesem Zusammenhang sind zwei grundlegende Eigenarten der palästinischen Finanzwirlschaft zu erwähnen. Die erste ist das Fehlen einer Zentral- und Notenbank. Die Regulierung des Geldumlaufs liegt in den Händen des Londoner Currency Board, der die Nolenpresse und die Münze verwaltet und in Palästina durch den Treasurer der Mandalsregierung und die Barclays Bank vertreten ist, von denen die letztgenannte Bank die Ausgabe und Kontrolle der Zahlungsmittel namens des Board in Palästina führt. Die Abhängigkeit der palästinischen Währung von der englischen ergibt sich daraus, daß die Deckung — die übrigens eine volle ist — in englischen Wertpapieren besteht, deren Zinserträge zum größten Teil in den zur Ausgleichung etwaiger Kursschwankungen bestimmten Reservefonds des Currency Board fließen und dem Mandalslande nur durch Überweisung gewisser Gewinnanteile an die Regierung zugute kommen. Während in dieser Weise die Notenausgabe und -deckung geregell sind, fehlt es an einer Zentralstelle für die Regulierung des Geldmarkts, was insbesondere bei der Bankenkrise vom Herbst io35 zutage trat. Bei dem Run auf einige Banken haben zwar die Barclays Bank durch vermehrte Notenausgabe und die Zusicherung von Rediskonten sowie später auch die Anglo-Palestine-Bank helfend eingegriffen und die in Schwierigkeiten geratenen kleineren Bankunternehmen in die Lage versetzt, alle Auszahlungen, die teilweise die Hälfte der Einlagen betrafen, zu erfüllen. Infolge des Fehlens hinreichender Rediskontmöglichkeiten hatte aber der erwähnte Ansturm auf die Banken nunmehr zur mittelbaren Folge, daß die Banken zu erhöhter Liquidität übergegangen sind, wodurch wiederum der ohnedem übermäßige Zinsfuß weiterhin hochgeschraubt wurde. Das erschwerte die Krediterlangung für Handel und Industrie, die gerade jetzt dringender Förderung bedürftig sind; Hypotheken, die vor September für 7—80/0 gegeben worden waren, sind nur noch zu Zinssätzen von 8—100/0 erhältlich, und auch dabei finden sich private Geldgeber nur selten. Eine Erleichterung könnte durch Schaffung einer Regulierungsstelle für den Geldmarkt eintreten, die Rcdiskontmöglicldceiten gewährt und deren bloßes Bestehen Vertrauen schaffen und eine Verringerung der Zinssätze zur Folge haben 295 Aerztelizenzen im Dezember 1935 Die beschlossene Einführung des „Numerus clausus" hatte kurz vor Ende io35 zu einer Hochflut von neuen Anträgen auf Zulassung zur ärztlichen Praxis geführt. Wie jetzt bekannt wird, sind zur Praxisausübung in Palästina im Dezember ia35 neu zugelassen worden: 20,5 Ärzte, 20 Zahnärzte, 5 Apotheker und 6 Hebammen. würde. In diesem Zusammenhang ist die von palästinischer Seite aufgestellte Forderung zu erwähnen, daß die Notenausgabeslelle ermächtigt werden soll, palästinische Wertpapiere zu beleihen, um auf diese Weise unmittelbar in die Wirtschaft des Landes eingeschaltet zu werden und nicht weiterhin von ihr und der Regierung des Landes formell unabhängig zu sein. Ein weiterer fühlbarer Mangel des palästinischen Bankwesens ist das Fehlen einer Clearingstelle zur Durchführung des bargeldlosen Verkehrs. Der Scheckverkehr hat sich trotz der auf englischem Vorbild beruhenden Stempelsteuer in den letzten Jahren außerordentlich entwickelt. Fast bei allen Banken wickelt sich ein großer Teil des Wechsel-, Scheck- und Überweisungsverkehrs in bar ab, Avas sowohl für die Kundschaft als auch für den dadurch erforderlichen Bolen- und Verrechnungsverkehr der Banken unfruchtbaren Zeitaufwand und unnütze Belastung verursacht. Nachdem kürzlich in Tel-Aviv bereits eine inoffizieUe Börse eingerichtet worden ist, wird auch die Frage eines Clearingverkehrs bald eine Lösung finden müssen. Lizenzpflicht für Banken Die palästinische Amtszeitung enthält den Entwurf von Ergänzungsvorschriften zum Bankgesetz (The Banking/Amendment and Further Provisions/Ordinance, 1936), nach der die Ausübung des Bankgeschäfts von einer Lizenz des Hochkommissars abhängig gemacht wird, die ohne Angabe von Gründen versagt werden kann. Bisher war jede Aktiengesellschaft (Company) oder Genossenschaft berechtigt, Bankgeschäfte zu betreiben, es bestand für die Behörde nur eine indirekte Kontrolle dadurch, daß der Gesellschaft die Rechtsfähigkeit oder die Eintragung ins Handelsregister allgemein versagt werden konnte. Die neue Verordnung sieht ferner für den Oberkommissar die Möglichkeit zur Ernennung eines Bankkommissars vor, der die behördliche Aufsicht über die Einhaltung der Vorschriften des Bankgesetzes ausübt. Er ist berechtigt, die Bücher, Rechnungen und Geschäftspapiere jeder Bank einzusehen. Ferner hat jede Bank künftig einen Monatsbericht über ihre Geschäftstätigkeit und Lage einzureichen; bisher war nur die Vorlegung von Jahresberichten vorgesehen. Auch der „Wechsel" wird untersucht Der vor kurzem in Palästina eingetroffene Banksachversländigc, F. G. Horwil, von der Westminster Bank in London hat sich als erstes auch mit den Problemen des Wcchselwesens beschäftigt, das eine große Rolle für die Wirtschaft des Landes spielt, aber in zahlreichen Auswüchsen einer durchgreifenden Reformierung bedarf. Angesichts des in fast allen Wirt- Orangenpreise Nach den anfänglichen Mißerfolgen des Zitrusabsatzes in England halten die guten Preise auf den englischen Märkten in den letzten Tagen an. Für Grapefruit wurden am 3. 2.36 in Liverpool 17/6 Sh. je Kiste erzielt, ein Preis, der in dieser Saison bisher nicht erreicht wurde. Auch die Orangenpreise sind gestiegen, wenn sie auch teilweise noch unter den Selbstkosten der Pflanzer liegen. In Manchester wurden am 4-2.36.etwa 10000 Kisten Jaffa- Orangen zu Preisen zwischen 10/6 und i5/— je Kiste verkauft.! schaftszweigen Palästinas zu beobachtenden Mangels an Kreditunterlagen ist der Wechsel das wichtigste Finanzinstrument geworden. Die Verwendung des Wechsels im Warenverkehr scheint nicht zu beseitigen zu sein, nachdem durch die beschleunigte Einwanderung eine solche Warennachfrage entstanden ist, daß das Kapital des durchschnittlichen Händlers für den Umsatz nicht ausreicht und auch nicht in gleichem Umfang und mit gleicher Beschleunigung vermehrt werden kann. Da die Banken mit Recht die Einhaltung eines gewissen Verhältnisses zwischen Kapital und Kreditaufnahme verlangen, kann der Kaufmann den gesteigerten Bedürfnissen nur durch Inanspruchnahme anderer Kreditmöglichkeilen, vor allem des Wechselkredits, nachkommen, und diese Entwicklung kann, solange sie sich in Grenzen hält, nicht als völlig ungesund angesprochen werden. Anders liegt es bei der Geldbeschaffung, die mittels reiner Gefälligkeitswechsel geschieht, eines in Palästina durchaus nicht seltenen Finanzierungsmillels, das durch mangelnde Kontrolle in der Diskontpolitik der mittleren und kleinen Banken bis vor kurzem begünstigt wurde. Weitere Auswüchse sind die Wechselhingabe auch bei kleinstem Konsumkredit, die bisweilen selbst bei Lebensmittelkäufen im Einzelhandel erfolgt, die Praxis der Wechselgewährung für Versicherungsprämien, gegen die die größeren Versicherungsgesellschaften von jeher eingeschritten sind, die Annahme von Steuerweclxseln, die von der Kommunalverwaltung von Tel-Aviv bisweilen geübt wurde, der Aulokauf mit Wechseln von längerer Laufzeit als der normalen Lebensdauer des Wagens und überhaupt die häufige übermäßige Ausdehnung der Wechseliaufzeit. Die Vereinheitlichung und Einschränkung der Diskontpolitik der Banken könnte auf diesem Gebiet viel Nutzen stiften. Welche Maßnahmen die Mandatsregierung in dieser Hinsicht plant und welche Vorschläge der englische Banksachverständige machen wird, ist noch nicht bekannt geworden. 4

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